Tag 2: 05.05.22

 

Um 06:30 Uhr geht die Sonne auf, schnell erwärmt sich die Luft und ich versuche noch etwas Schlaf in der Sonne zu bekommen. Ich stehe daher erst um 08:00 auf. So kann ich mich anziehen ohne das Gefühl zu haben, ich erfriere bei dem Vorgang. Ich baue das Zelt ab und packe meine Sachen zusammen. In der Sonne mache ich meine Morgentoilette und frühstücke eine Kleinigkeit. Dann geht‘s los.

Weitere 150 Meter muss ich hoch. Hier herrscht Winter

Dann geht es 800 Meter runter. Wegen der umgestürzten Bäume und der sich türmenden Äste, komme ich nur sehr langsam vorwärts. Mit jedem Meter den ich absteige komme ich dem Frühjahr näher.

Im Tal ist Frühjahr und ein fast 1.000 Meter Anstieg über einen Pass erwarten mich. Also wieder geht es vom Frühjahr in den Winter und später zurück in frühlingshafte Gegenden. Natürlich warten auch hier wieder Schneefelder und Bruchholz, das den Weg unpassierbar erscheinen lässt. Der Anstieg und das ständig überwinden der unpassierbaren Wege erschöpfen mich.

In Nymphaio, einem kleinen Bergdorf, in dem alle Häuser aus grauem Stein – Basalt? – gebaut sind, übernachte ich in einem Guesthouse. Nach dem ich meine Wäsche gewaschen habe und mich geduscht habe, schaue ich mich in dem Dorf um. Obwohl es viele Restaurants und Bars gibt, die Tische und Stühle draußen stehen, sind sie alle mangels an Gästen geschlossen. Ich esse in meiner Unterkunft eine Pizza – einzige Alternativen sind Hot Dogs. Klingt nicht gerade Griechisch.

Tag 1: 04.05.22


Ich starte meine Wanderung auf dem E4 in Nordgriechenland in dem Bergstädtchen Florina. Von dort ist es nicht weit zu den Grenzen von Nordmazedonien und Albanien. Es ist regnerisch und kalt als ich am Nachmittag des Vortages mit Zug von Thessaloniki ankomme. Heute Morgen ist es sonnig und es soll so den ganzen Tag bleiben. Die Wettervorhersage meldet Temperaturen im einstelligen Bereich – kälter als ich gehofft habe.

Im Wald ist die Vegetation soweit wie in Heidelberg auch. Die Natur zeigt sich mit frischem Grün und feuchten Wegen. Es geht ständig bergauf. Nach etwa einer Stunde erreiche ich eine verlassne Abtei. Ich vermute hier haben die Mönche ihre letzte Ruhestätte gefunden. Ich mache auch eine kurze Pause, denn ich will hier nicht die ewige Ruhe finden.



Etwas später habe ich einen phantastischen Blick auf die Berge und ins Tal. An diesem wunderschönen Ort suche ich mir in der Sonne ein Plätzchen, um zu vespern. Ich hatte mir in Düsseldorf vom Carlsplatz eine gut durchgetrocknete Salami und einen Französischen Hartkäse mitgenommen. In Florina habe ich, bevor ich aufgebrochen bin, noch ein Weißbrot gekauft. Müsli habe ich ebenfalls, für den wahrscheinlichen Fall heute zu campieren, mitgenommen, weshalb zusammen mit 2,5 Liter Wasser einen äußerst schweren Rucksack den Berg hoch tragen muss.

Kurz nach meinem Mittagessen werde ich von Schnee auf meinem Weg überrascht. Ab etwa 1.300 Höhenmeter gibt es sowohl auf dem Weg als auch abseits des Neuen Tees und viele zum Teil sehr ausgiebige Schneefelder. Das Gehen wird durch umgestürzte Bäume und gebrochene Äste erschwert.


Auf 1.600 Höhenmeter bin ich so fertig, dass ich mir einen schönen Platz in der Abendsonne für mein Zelt suche. Das ist das erste mal, dass seit fast 40 Jahren. Ich lass es mir in der Sonne gut gehen und esse zu Abend.

 

Es ist wieder so weit …

… am kommenden Montag, 02.05.2022 werde ich nach Thessaloniki fliegen, um auf dem E4 von Florina – im Dreiländerecke Albanien, Nordmazedonien, Griechenland – über den Olymp, vorbei an den Meteora-Klöstern, nach Delphi zu wandern: ca. 750 km und durchschnittlich 1.000 Höhenmeter täglich.

Meine Ausrüstung wartet nur noch darauf gepackt zu werden. Da ich nicht weiß, ob ich in den Bergen jeden Abend ein Bett finden werde, werde ich diesmal auch eine Campingausrüstung mitnehmen. Trotzdem ist mein Rucksack ohne Essen und Trinken nur 8 kg schwer. 

Im nächsten Beitrag werde ich eine Liste meines Equipments inkl. des Gewichts posten.