Athen: 30.05.22

Ich bin in Athen! Eine Stadt in der das Leben pulsiert. Ich habe ein Hotel am Fuße der Akropolis, die ich natürlich besichtige. Nachfolgend einige Impressionen und anschließend eine Zusammenfassung meiner Wanderung durch Nord-Griechenland.


Theater des Dionysus


Dionysus Eleuthereus


Tempel der Athene


Tempel der Athene


Odeon, römisch


Erechtheum 


Erechtheum: wer trägt die Last?


Parthenon 


Parthenon 

Schnell wurde mir klar, den E4, wie er ausgeschildert ist, werde ich nicht laufen. Das hat mehrere Gründe. Bei der Planung des E4 scheint man so vorgegangen zu sein, den Weg möglichst abseits der Zivilisation unter Mitnahme aller Gebirge und fernab jeglicher Infrastruktur anzulegen und dabei alle Städte zu meiden. Das hätte für mich bedeutet, weitgehend zu campen und mein Essen mitzunehmen. Beides gehört nicht zu meiner favorisierten Form des Reisens.

In den Bergen ist es im Mai – vor allem im Norden – noch sehr kalt. Ab etwa 1.400 Höhenmeter liegt noch recht viel Schnee. Die Wege sind aufgrund der Winterschäden, wie umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste nur mit Schwierigkeiten passierbar. Ich bin in den Bergen daher nur sehr langsam vorwärts gekommen. Weiter im Süden wurde dies deutlich besser.

Müsli und Instantfood kann ich mal essen aber dies die meiste Zeit machen zu müssen, ist nicht mein Ding. Dafür bin ich dann doch zu sehr Genussmensch. In vielen Dörfern gibt es keine Tavernen und schon gar keine Restaurants. Selbst Einkaufsmöglichkeiten sind nicht die Regel, weshalb ich oft fahrende Händler getroffen habe, die ihre Waren von ihren Pickups herunter verkaufen. Vor allem im Norden konnte ich mich nicht auf die Eintragungen in Google Maps hinsichtlich Restaurants und Bars verlassen. Entweder gab es diese aufgrund von Coronavirus gar nicht mehr oder sie waren Saisonbedingt noch geschlossen. Ab Elassona hat sich das geändert. Die Karteneintragungen waren fast immer korrekt. Auffallend ist die Anzahl Restaurants bzw. Tavernen. Ich erkläre mir das damit, dass die Einheimischen zwar auswärts etwas Trinken aber zuhause Essen.

Die Küche, wie ich sie vor fünfzig Jahren bei meinem ersten Griechenlandaufenthalt, erlebt habe, ist weitgehend ausgestorben. Die Italienische Küche hat auch Griechenland erobert. Überall bekommt man Pizza, Pasta und Risotto. Als Beispiel, die Moussaka früher gefühlt vorherrschend bekommt man fast garnicht mehr.

Ab dem vierten Tag habe ich meinen Weg mit neuen Prioritätsregeln geplant. Gibt es eine Unterkunft, gibt es eine Möglichkeit Abendessen, zu bekommen. Vermeidung von Straßen. Randbedingung: Überquerung des Olymp, Kalambaka/Meteora und Delphi als Ziel. Damit war mein Weg etwas kürzer statt 750 bin ich nur 680 Kilometer gewandert bei ca 14.000 Höhenmeter statt knapp 30.000.

Vergleiche ich meine bisherigen Wandertouren, so ist das Wandern in Griechenland tagsüber eine einsame Angelegenheit. Auf dem Weg selbst bin ich nicht einmal jemanden begegnet. In den Orten sitzen in den Bars die alten Männer scheinbar den ganzen Tag, um sich die Zeit zu vertreiben. Überall, ob in den Bars, in den Unterkünften oder in Geschäften, ist mir höchste Freundlichkeit und eine ebenso große Hilfsbereitschaft entgegengebracht worden. Jeder hat versucht, mit mir zu kommunizieren. In den Dörfern oft in Deutsch, da immer jemand mal in Deutschland gearbeitet hat, in den Städten eher in Englisch. Die Bevölkerung unter 40 scheint durchweg Englisch gelernt zu haben.

Hunde sind definitiv ein Thema. Hunde sind unabhängig ihrer Größe ängstliche Tiere, weshalb sie zwar bellen und die Zähne fletschen, was Ausdruck ihrer Ängstlichkeit ist. Trotzdem ist es nicht angenehm, wenn man von mehreren Hunden umringt wird und diese einen bösartig wirkend ankläffen. Denn man kann sich nie sicher sein, ob einer nicht doch aus seiner Angst heraus zubeißt. Was mich immer wieder massiv geärgert hat, sind die Hundebesitzer, und hier kritisiere ich vornehmlich die Schäfer, die mitbekommen, dass ihre Hunde einen stellen und sich noch nicht einmal die Mühe machen, ihre Hunde zurückzurufen. Größere wilde Tiere habe ich nicht gesehen. Zu Beginn habe ich viele Bärenspuren auf den Wegen gesehen. Meine anfängliche Vermutungen wurden später von einem Einheimischen bestätigt. ImmGras muss man aufpassen, weil es überall Schlangen gibt. Ob diese einen ernsthaft verletzen können, weiß ich nicht, möchte aber nicht von einer gebissen werden. An machen Tagen bin ich von morgens bis abends von Insekten umschwirrt worden, die leider mich öfters gestochen haben. Zeitweise hatte ich an den Oberarmen dicke Pusteln davon.

Anders als in Spanien und Italien hatte ich nicht in einem Ort den Eindruck, dass dies am Sterben sind. Überall bin ich einer großen Lebendigkeit begegnet und immer Generationen übergreifend.

Bürgersteige sind in den Orten fast überall vorhanden. Sie sind nur nicht für den Fußgänger geeignet. Sie sind für die Aufstellung von Laternen, Strommasten, Blumen, Bäume und natürlich Mülltonnen. Müll ist definitiv ein Problem. Wenn der Müll keinen Platz in den öffentlich aufgestellten Mülltonnen hat, wird er am Straßenrand, im Wald und im Feld entsorgt. Ost sieht man am Straßenrand Autowracks, die zusammen mit Müll häufig auf den eignen Grundstücken deponiert werden, was viele Grundstücke wie Müllhalden aussehen lässt. Da man die Terrassen und Veranden prinzipiell zur Straße ausrichtet, kann das Grundstück hinterm Haus gut für den Abfall genutzt werden. Ich bin an sehr vielen Wohnhäusern, Bauernhöfe und Gewerbegebäuden vorbeigekommen, die am zerfallen sind und oft genug Ruinen sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie sich auf bewirtschafteten und besiedelten Grundstücken befinden. Müll, Autowracks und Ruinen sind ein Problem.

Griechenland ist die Wiege unsere Kultur und Werte. Wenn ich in Delphi oberhalb des Theaters auf den Apollo Tempel hinunter schaue und auf der Akropolis in Athen vor dem Parthenon stehe, spüre ich diese Wurzeln tief in mir. Mir stellt sich dort immer wieder die Frage, wie war es möglich, dies vor mehr als 2.500 Jahren zu erschaffen. Damit meine ich nicht nur die Gebäude und künstlerischen Arbeiten sondern viel mehr noch ein modernes Leben mit Theater und Musik zu führen, das Demokratie, Philosophie und Naturwissenschaften erschaffen hat. Wollte ich damals gelebt haben? Von der geistig künstlerischen Inspiration unbedingt. Aber unter keinen Umständen, was die restlichen Lebensumstände angeht aus das fängt bei der Hygiene an und hört nicht bei der medizinischen Versorgung auf.

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