Tag 17: 19.10,2022

Ich stehe heute etwas später auf als sonst, da ich bis Randazzo, von wo ich Morgen ins Etna Gebiet starten möchte, keine 20 Kilometer zu wandern habe. Da ich in meine Unterkunft erst um 15:00 Uhr einchecken kann, lasse ich es sehr gemütlich an.

Beim Frühstück treffe ich das Paar aus Amerika mit ihrer Führerin. Ich hatte erwartet, dass die drei schon längst unterwegs sind. Tatsächlich wollen sie erst um 09:00 Uhr aufbrechen.

Ich selbst bin eine viertel Stunde früher bereit zum Aufbruch. Obwohl Sonnenschein für den ganzen Tag angesagt ist, komme ich raus in dichten Nebel. Daher fühlt es sich deutlich kühler an als es ist. Es geht abwärts meist entlang eines Flüsschens, das ein hübsches Tal gebildet hat und langsam vor sich hin plätschert. Das Tal ist sehr feucht, entsprechend ist Vegetation saftig und grün. Die Bäume wirken auf mich, wie aus einem Urwald. Sie wachsen mit ihren langen Ästen in aller möglichen Richtungen und vielen Biegungen. Sie sind oft stark bemoost. Es ist eine Freude hier entlang zu spazieren. Da ich Zeit habe, ist mein Gang dem Spazierengehen ähnlicher als Wandern.

Als der Weg die Flußseite wechselt, gibt es einen Hinweis auf ein Konvent und eine Mühle. Gut, den Umweg gehe ich und schau mir beides an. Es geht über schmale Pfade, die immer wieder zugewuchert sind, erst den Fluß zurück und dann den Berg hinauf. Als ich ankomme, gibt es dort nur ein paar Mauerreste und ich kann nicht erkennen, was das einmal gewesen sein könnte. Nichts lässt auf eine Mühle auch nicht auf ein Konvent schließen. Zurück habe ich mehrmals Schwierigkeiten den Pfad wieder zu finden. So überquere ich an einer völlig andern Stelle den Fluss und komme zurück auf den eigentlichen Wanderweg nur auf der anderen Seite eines Stacheldrahtzauns. Stacheldrahtzäune bzw. Zäune jeder Art gibt es hier viele. Am Zaun kann ich nicht entlang laufen: zu viel dornenreiches Gestrüpp und den Zaun überqueren kann ich, ohne mich zu verletzen und meine Kleidung kaputt zu machen, auch nicht. Ich habe mich schon in den letzten Tagen hinreichend oft an Stacheldraht die Haut aufgeschlitzt. Zwar nicht beim Überkletteren von Zäunen sondern beim Öffnen von „Zauntoren“, die die Wege blockieren. Wege werden gesichert, in dem die Zäune über den Weg weitergeführt werden. Nur die Pfosten werden nicht im Boden verankert: sie stehen auf dem Weg. An einer Seite des Weges sind sie unten mit einer Draht- oder Seilschlaufe mit dem nächsten im Boden verankerten Posten verbunden und oben macht man ebenfalls eine Schlaufe. Will man durch muss man die Schlaufe oben lösen. Danach fällt der gesamte Zaun über dem Weg in sich zusammen. Ist Man durch muss man das gesamte Gebilde wieder aufrichten und mit Aufwendung großer Kraft wieder miteinander verbinden. Dabei habe ich mir bereits mehrfach am Stacheldraht ordentliche Schnittwunden an Händen und Armen zugezogen.

Zurück zu meiner jetzigen Situation: ich muss zurück über den Fluss und auf der anderen Seite einen Weg bahnen. Als ich nach etwa einem halben Kilometer zurück auf die originäre Route kommen meine drei Wandergesellen herbei geschlendert.

Ein Obstbaum, wie es viele gibt. Die Früchte sehen aus wie Miniaturäpfel. Keiner erntet sie. Sie sind extrem sauer und für mich ungenießbar. Was ist das nur?

Die Führerin nimmt dies zum Anlass für sich Werbung zu machen. Mit ihr als Guide wäre mir das nicht passiert. Ich stimme ihr zu, würde aber auch nicht wissen, ob ich etwas verpasst hätte, wäre ich nicht zur Mühle gelaufen. Wir laufen ein Weile, uns unterhaltend, zusammen. Dann verabschiede ich mich endgültig, da selbst mein Spaziergehen zu schnell ist.

Nicht viel später sehe ich von einer erhöhten Position das mittelalterliche Städtchen mit seinen zwei imposanten Kirchen. Bevor ich mich mit meiner Vermieterin treffe, schaue ich mir den Ort ein wenig an und kaufe regionale Wurst und Käse für Morgen Abend, da ich am Etna keine Versorgung zu erwarten habe.


Die engen Gassen von Radazzo: nicht immer sind sie so attraktiv – eine Stadt die verfällt

Auf der Rückseite meines Zimmers ist ein Restaurant. Dort hatte ich mich am Mittag mit meiner Vermieterin getroffen. Es sieht nett aus und sie haben eine gut gestaltete Webseite. Deshalb gehe ich um acht dorthin zum Essen. Wer sitzt dort? Die Dreierkombi. Ich setze mich dazu auch wenn sie bereits fast fertig sind. So habe ich einen unterhaltsamen Abend.

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