Tag 11: 13.10.2022

Das ist nicht mein schönster Tag. Heute fehlt einfach die Sonne. Regenwetter macht diesen Tag trist. Schon als ich mich in Caccamo auf den Weg mache, nieselt es leicht. Vorsichtshalber ziehe ich mein langärmliges und etwas dickeres T-Shirt und die Regenjacke an. Nicht weit außerhalb der Stadt beginnt ein intensiver Landregen. Das ist weiter nicht schlimm. Regenjacke und Kapuze lassen es trotzdem zu, dass ich gut voran komme und der Regen mich nicht stört. Das ändert sich, als ich die befestigten Wege verlassen muss und auf aufgeweichte Feldwege weiterwandere.

Das stimmt so nicht: ich komme in dem Matsch kaum noch vorwärts. Die schwere Erde klebt an meinen Schuhe und machen sie schwer. Der Schlamm drückt sich in meine Schuhe und die Hose hoch. Ich habe das Gefühl, die Mafia hat mir Betonschuhe verpasst und ich versuche mit geringem Erfolg, mich aus dem Zement zu befreien. Da es steil bergab geht, und die Matsche zäh fließt, rutsche ich wie auf Gleitschuhen den Berg runter. Ich kann die Geschwindigkeit kaum kontrollieren. So sehr ich mich auch bemühe, ich kann nicht verhindern, dass ich auch auf meinem Po lande und mich bis zum Rucksack hoch schmutzig mache.

Das geht allerdings nur etwa 5 Kilometer so, bis ich zum Flüsschen im Tal komme. Hoch geht es etwas besser. Ich muss nur einiges an Energie aufwenden, diese aufgeweichten Wege hoch zu gehen und nicht immer wieder auszurutschen. Etwas später erreiche ich wieder weitgehend asphaltierte Wege.

Schon auf dem gesamten Weg seit Trapani fällt mir der schlechte Zustand der Nebenstraßen auf: man macht es sich einfach. Auf festgefahrenem Untergrund wird ohne weitere Befestigung oder Drainage eine Asphaltdecke aufgebracht. An Steigungsstücken bricht der Asphalt aufgrund der Belastung weg. An den Straßenrändern entstehen Löcher, die immer wieder mit zerkleinertem Baumaterial aufgefüllt werden, bis große Teile der Straße nur noch aus Bauschutt bestehen. In Senken fließt das Wasser mit dem Schlamm über die Straßen und reißen sie mit bzw. es entstehen Schlammlöcher. Bei einem intensiven Regen wie wir ihn heute haben, obwohl sicher nicht sehr ergiebig, ist der Mangel an Drainage und einem sachgemäßen Untergrund besonders gut zu erkennen. Mir fließt die Matsche auf dem letzten Anstieg nach Montemaggiore auf der Straße entgegen und ich muss immer wieder durch tiefe Löcher voll mit Wasser waten.

Auf meinem Weg sehe ich den ersten Mandarinenbaum mit Früchten. Ich pflücke eine der reifen Früchte. Ich habe große Schwierigkeiten, sie zu schälen. Ich halbiere sie daher und esse sie direkt aus der Schale – etwas saure aber sehr lecker. Sie hat etwas vom Geschmack der hiesigen Zitronen.

Auch aufgrund der schlechten Wetterprognose habe ich mir für heute keinen langen Weg vorgenommen. Montemaggiore erreiche ich schon nach 17 Kilometern und 700 Höhenmeter bereits um 13:30 Uhr. In meinem sehr einfachen Quartier wasche ich erstmal alles vom Schuh bis zu meinen Haaren. Überall klebt der Dreck.

 Sehr praktisch: Kirche und Stadtverwaltung Seite an Seite, nur die Eingänge sind voneinander getrennt

Nachdem ich wieder sauber bin und mir trockene Sachen angezogen habe, schlendere ich durch den Ort. Inzwischen hat es aufgehört zu regnen und die Sonne blinzelt immer mal wieder durch die dicken Wolken. Ich bin etwa ein Kilometer von meinem Zimmer entfernt, als es wieder anfängt zu regnen. Weiter nicht schlimm, denn ich habe vorsichtshalber meine Regenjacke mitgenommen. Es dauert noch nicht mal zwei Minuten dann sind die Straßen Flüsse und das Wasser fließt knöchelhoch durch die Straßen. Selbst mit hoch gewickelter Hose und Flipflops werde ich pitschnass. Es regnet nicht wirklich heftig, trotzdem steht das Wasser wie in Südostasien bei einem Monsunregen in der Stadt. Obwohl ich im Wasser wate, schaue ich mich um, auf der Suche nach den Ursachen. Das Problem erkenne ich schnell. Alle Regenfallrohre enden kurz über dem Bürgersteig bzw. über der Straße. D. h. die Dachentwässerung erfolgt nicht direkt in die Kanalisation, sondern auf die Straße. Es gibt zwar eine Kanalisation in den Straßen, allerdings viel zu wenige Einlässe, die auch wegen der teilweise steilen Straßen, das Wasser nicht aufnehmen können. Ob die Kanalisation das Wasser abführen könnte, kann ich natürlich nicht erkennen. Das Problem fängt eben schon vorher an.

So komme ich schon wieder aufgeweicht zurück in mein Quartier. Meine komplette Kleidung, die ich bei habe, ist nun nass – toll. Dann lege ich mich halt ins Bett und kann nur hoffen, dass der Trocknungsvorgang nicht zu lange dauert.

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