Tag 7: 10.05.22

Ich starte heute Morgen mit einem Foto von meinem Hotel runter auf den Stausee und zurück auf den Weg, den ich gestern gekommen bin. Nach 38 Kilometern gestern, nehme ich mir heute einen Weg von 35 Kilometern vor. Dann werde ich heute Abend am Meer ankommen.

Heute führt mein Weg durch hügelige Landschaft. Am Wegesrand blühen in üppigen Farben Blumen. Der Flieder, der oft den Weg zieht, riecht betörend.

Die Landschaftsaufnahmen könnten auch in den Deutschen Mittelgebirgen aufgenommen worden sein: Sanfte Hügel mit saftig grünen Wiesen. Die Flächen sind weniger landwirtschaftlich intensiv genutzt wie in der Ebene, die ich gestern durch wandert habe. Landwirtschaftlich genutzte Flächen mit im wesentlichen Obstbäumen wechseln mit natürlichen Flächen ab.


Hin und wieder gibt es auch Viehzucht. Immer wieder treffe ich Schäfer mit Ziegen- oder Schafherden. Leider werden dies nicht nur von den Schäfern bewacht sondern auch von Hunden. Auf meinem Weg treffe ich erst auf eine Schafherde und ich kann den Schäfer nicht sehen, so dass die ungefähr zehn Hunde, die mich sofort stellen, mir doch einen gehörigen Respekt einflössen. Hier treffe ich oft auf große, ungepflegte Hunde, die bellen, was das Zeug hält. Aber alle sind – unabhängig ihrer Größe – ängstlich. Nie kommen sie von vorne sondern immer laufen sie an mir bellend vorbei und kommen dann von hinten. Drehe ich mich um, suchen sie sofort das Weite unabhängig davon, wie viel Spektakel sie veranstaltet haben, ob sie sich durch einen Zaun gezwängt haben, um zu demonstrieren, dass sie hier der Herr sind.

Zurück zur Schafherde: kaum haben mich die Hunde umringt sehe ich den Schäfer. Ein Kurz Gruß reicht und die Hunde trollen sich. Kaum 500 Meter weiter treffe ich auf eine Ziegenherde. Den Schäfer sehe ich von Weitem und ich grüße, um zu verhindern, dass mich seine bereits kläffenden Köter, wieder in die Zange nehmen. Hilft aber nicht, er hat offensichtlich mit seinen Hunden so seine Probleme. Vor allem zwei sind so aufgebracht und bauen sich vor mir in beeindruckender Weise auf, so dass ich stehen bleibe, in der Hoffnung der Schäfer ruft seine Bewacher zur Ordnung. Das versucht er, nur die beiden lassen sich von ihrem Herren überhaupt nicht beeindrucken. Er muss die Hunde handgreiflich zur Ordnung rufen, damit sie mich durch lassen.

Aber nicht nur Ziegen und Schafe werden gezüchtet auch Hühner. Bienenstöcke stehen auch überall in großer Zahl in den Wiesen.


Am späten Mittag etwa nach 25 Kilometern komme ich in ein auf einem Hügel exponiert liegenden Ort. Ich habe nicht nur Durst sondern auch Hunger. Am höchsten Punkt im Zentrum gibt es eine Taverne. Bis auf einen Tisch sind alle mit Einheimischen – alles Männer – belegt. Kaum stelle ich meinen Rucksack ab und falle auf einen freien Stuhl werde ich von allen Seiten angesprochen. Es braucht nicht langend alle haben verstanden, ich spreche kein Griechisch, ich bin aus Deutschland und der größte Teil der Männer spricht Deutsch, da sie in Deutschland viele Jahre gearbeitet haben. Ich muss mich zu den anderen setzen, damit ich ordentlich interviewt werden kann. Was ich hier mache ist für keinen verständlich: wandern und das über mehrere Tag ist ihnen völlig unverständlich und finden das außerordentlich strange. Nach dem sie wissen, was mein Tagesziel ist, bekomme ich Wegbeschreibungen und nicht zum ersten Mal angeboten, mich in die nächste Stadt zu fahren. Heute ist ein Traktorfahrer  dran: ich muss ihm klar machen, dass Laufen für mich zwar anstrengend aber doch ein Vergnügen ist und daher Fahren gar nicht in Betracht kommt. man amüsiert sich ganz offensichtlich über mich. Aber überall wo ich hin komme, schlägt mir eine überbordende Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft entgegen.

Nach 30 km muss ich zwei Kilometer an einer Autobahn entlang laufen, hierbei hält sich das Vergnügen in Grenzen, bevor ich sie unterqueren kann. Dann ist es nicht mehr weit. Ich komme in ein Strandbad, das mal bessere Zeiten erlebt hat. Ruinen säumen den Weg. Bars sind heruntergekommen und geschlossen. Mir wird schon bange, was mich als Apartment erwartet. Nebenzweck Ruinen kann ich etwas zurückversetzt einen gepflegtes Haus erkennen und hoffe, das dies meine Unterkunft ist.

Da mir niemand öffnet, habe ich schon Sorge, dass die Pension nicht mehr existiert und die Buchungsbestätigung eine Art Fake ist. Ich rufe die angegebenen Telefonnummern an. Niemand nimmt ab. So was machen. Ich will gerade schon mit Booking.com Kontakt aufnehmen, da kommt eine Frau auf mich entschuldigend zu, sie habe mich zwar gesehen aber eine Weile gebraucht von ihrem Balkon im 2. OG herunter zu kommen.

So kann ich mich entspannen und keine 100 Meter entfernt gibt es sogar eine Auswahl an Restaurants: Mikrowellen ist heute Abend angesagt. Ich werde wieder mit Freundlichkeit überschüttet, das ändert allerdings nichts an der miesen Qualität des Essens.

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