Tag 7: 09.10.2022

Gestern Abend habe ich zwar nicht das beste Essen bekommen, aber ich habe hinreichend gesalzen, um so meinen Mineralienhaushalt wieder in den Griff zu bekommen. Nach zwei Tagen ausschließlich Käse mit Brot hat mich ausgezehrt, so dass ich die letzten beiden Tage nicht voll leistungsfähig war. Heute fühle ich mich fit und die Anstiege machen mir viel weniger aus: ich muss darauf achten, dass ich den Verlust von Salz beim Schwitzen abends wieder ausgleiche.

Heute durch wandere ich ein Naturschutzgebiet. Dort gibt es aus Refugios: wie ich mir schon bedachte sind das im besten Fall Schutzhütten. Sie sind nicht bewirtschaftet und Wasser gibt es auch keins, da sie immer auf einem Hochpunkt liegen und Wasser nun mal den Berg runter und nicht hoch fließt. Sie sind innen ausgesprochen muffig. Ich würde darin nicht übernachten wollen. Da würde ich immer mein Zelt vorziehen.

Die Wege in dem Naturschutzgebiet sind gut ausgeschildert und es macht keine Schwierigkeiten, ihnen zu folgen. Außer man findet den Wege doch nicht. Wie konnte das passieren? Am höchsten Punkt beginnend hat es vor einiger Zeit einen Waldbrand gegeben. Mir scheint, danach hat man dort keine Pflege der Wege und des Waldes gegeben. Man hat die Natur ihre Arbeit machen lassen. In manchen Bereichen ist man mit schwerem Gerät in den Wald und hat begonnen, die Bäume zu fällen. Damit entstanden Wege, die es auf den Karten nicht gibt und ehemalige Wege sind zu gewuchert, durch Spuren der Fahrzeuge nicht mehr erkennbar.

An einem solchen Punkt angekommen, finde ich den Weg, den ich zu nehmen habe nicht. Da kommen zwei Fahrradfahrer. Einer von den beiden hat mal in Freiburg gewohnt. Sie zeigen mir den Weg. Nur nach etwa zehn Minuten stellt sich heraus, das ist kein Weg. Ich stehe „im Urwald“. Hier gibt es nur noch verbranntes Gehölz und Dornengestrüpp. Ich komme nicht mehr richtig vorwärts und zurück finde ich auch nicht. Also „gehe“ ich in Richtung meines Weges. Irgendwann muss ich ja darauf stoßen. Es sind vielleicht gerade mal 500 Meter. Die haben es aber in sich. Ich stürze, weil ich den Boden nicht sehen kann, bleibe im Dorngebüsch hängen und komme vor lauter Gestrüpp kaum noch Vorwärtskommen. Die ungefähr 500 Meter kosten mich fast eine Stunde. In meinen Füßen stecken Dornen. Meine Kleidung ist voll Mist allem, was die Vegetation hergibt und meine Hose sieht einfach schrecklich aus. Ich muss sehen, was ich späte machen kann, um das schlimmste zu reparieren.

Als ich auf dem Weg zurück bin, läuft wieder alles prima und etwas später kann ich auf Palermo und das Meer schauen. Weniger schön sind die letzten 15 Kilometer nach Palermo. Ich komme durch runtergekommene Und völlig verdreckte Vorstadtgebiete.

Selbst die Innenstadt macht einen verschmutzten und nicht gerade attraktiven Eindruck. Bis ich dann die wirkliche Innenstadt an einem historischen Tor erreiche. Von da an ist Palermo eine Stadt mit attraktiven Kulturdenkmälern, zwar nicht sauberer aber trotzdem schön.

Da es auf meinem Weg liegt besuche ich als erstes „Le Catacombe del Cappuccini“ – die Kapuzinergruft von Palermo. Dort wurden ab 1599 Personen balsamiertes und aufbewahrt. Zunächst nur Kapuzinermönche später auch Bürger, die es sich leisten konnten. So konnten die Hinterbliebenen ihre Verwandten weiterhin besuchen. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde die Balsamierung verboten, nur daran gehalten haben sich die Reichen nicht. So „lagern“ in der Gruft etwa 2.000 Menschen: Kinder, Frauen, Männer. Alle in ihren Kleidern – meist ist nur das Skelett unter den Kleidern übrig. Manche haben aber auch noch Hautpartien, Haare und Zähne. Da die Gruft den Eindruck eines Lagers macht, wirkt das Ensemble sehr skurril.

 Bild von peterstravel.de

Rund um die Kathedrale herrscht mir zu viel Trubel. Massen an Touristen sind in großen Gruppen unterwegs und belagern alles sehenswürdige. So beschließe ich Morgen einen Ruhetage einzulegen und mir die Stadt in Ruhe anzuschauen. Zumal es anfängt heftig zu regnen und das Regenwetter morgen anhalten soll.

Jetzt sitze ich einem schicken Restaurant im Hafengebiet und habe hervorragend gegessen. Um mich herum Deutsche und Engländer, die alle nicht hinreichend Bewegung erhalten. Das Essen war sensationell bzw. ist es noch, da ich zum Abschluss gerade noch ein Dessert vom CHEF serviert bekomme: gefährlich viel Zucker, bedenkend dass ich Morgen einen Ruhetage einlege, zumal ich auch noch eine Flasche Grillo getrunken habe.

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