Tag 5: 07.10.2022

Ich konnte mich gestern Abend nicht entscheiden, wo ich heute hingehen werde. Entweder wäre es zu den nächsten Übernachtungsmöglichkeiten nur 15 oder danach schon 42 Kilometer. In Google Maps habe ich zwar ein Agriturismo nach 32 Kilometer gefunden. Die haben aber weder gestern Abend noch im Laufe des Vormittags geantwortet. Während ich meinen Rucksack packe, entscheide ich mich den übrig gebliebenen Käse mit einzupacken und richte mich auf zelten ein.

Nach 15 Kilometer komme ich auf die hoch am Berg liegende Stadt Alcamo. Dort nehme ich erst einmal mein Frühstück ein. Danach kaufe ich 4 Liter Wasser, 2 Liter kommen in den Rucksack, mit einem Liter fülle ich meine fast leere Flasche auf. Den Rest trinke ich schnell, in der Hoffnung ich kann Wasserreserven wie ein Kamel anlegen. Am Straßenrand erwerbe ich noch drei Pfirsiche: Zucker kann nie schaden.

Mit Ausnahme von Alcamo komme ich weder durch eine weitere Stadt noch durch ein Dorf. Landschaft pur liegt vor mir. Unterwegs mopse ich mir von dem ersten Zitronenbaum, den ich sehe eine Zitrone. Die duftet sehr intensiv, ist aber auch mächtig sauer. Süßer ist da schon die Feige, die ich vom Baum klaue. Leider komme ich nur an eine reife Frucht.

Hier auf dem Land werden die Häuser von Hunden geschützt. Die Besitzer lassen sie frei laufen, wie ich das schon in Griechenland im Mai erlebt habe. Die Hunde kommen meist sehr aggressiv auf mich zu, laufen aber dann immer so, dass in meinem Rücken sind. Wenn ich mich zu ihnen umdrehe, gehen fast alle kläffend auf Distanz. Das ist ganz anders, treffe ich auf Schaaf- und/oder Ziegenherden. Heute gleich dreimal. Im Rudel und trainiert ihre Herde zu schützen, sind diese Hunde nicht nur extrem aggressiv in ihrem Auftreten, sie lassen sich nicht so einfach einschüchtern. Eher bin ich der Eingeschüchterte, wenn da fünf bis zehn Hunde sich um einen rum verteilen.

Nach 35 Kilometern und fast 800 Höhenmeter, bin ich müde – trotz eines ausgiebigen Mittagsschlaf im Schatten eines Olivenhains. Ich komme an einem zusammen gefallenen Hof vorbei. Es gibt zwar Schlösser vor den Türen, die noch intakt sind, aber hier sieht alles verlassen aus. Bereits im Dämmerlicht baue ich mein Zelt auf einer Art Veranda unter einem Schutzdach auf. Damit steht das Zelt schon mal in Waage und  sitzen kann ich dort auch ganz gut.

Nun hoffe ich, dass der Hof tatsächlich verlassen ist und nicht heute Nacht – vielleicht von der Mafia – Besuch bekomme.

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