Tag 13: 16.05.22

Der Tag fängt gut an: In Elassona komme ich an einer unscheinbaren Apotheke vorbei. Ohne große Hoffnung gehe ich rein und frage, ob sie „meine“ Sonnencreme haben – In Litochoro hatte ich Nachschub erworben, die tut meinen Augen aber garnicht gut. Sie erzeugt, wenn ich schwitze einen schmerzenden Druck im Auge. Ich denke, sie ist zu zäh von ihrer Viskosität – Tatsächlich hat der freundliche Apotheker meine Lieblingscreme, zwar mit der Aufmachung, die vor zwei Jahren bereits geändert wurde, das stört mich aber gar nicht. Der Tag kann nur gut werden.

Ich habe mir in einem Dorf in den Bergen ein Zimmer gebucht. Das einzig auf dem Weg nach Kalambaka. Das bedeutet dreißig km. Zwanzig davon in der Ebene; so auf 150 Höhenmeter, mal auf Feldwegen mal auf einer nicht viel befahrenen Straße. Ich komme gut vorwärts, nachdem ich gestern einen ruhigeren Tag eingelegt hatte. Die letzten zwanzig Kilometer sind allerdings echt tough. Es geht wieder hoch auf ungefähr 900 Höhenmeter. Die Sonne ist heute unerbittlich und es wird 29 Grad warm. Was das in der Sonne bedeutet weiß ich nicht so recht. Ich schwitze als säße ich in der Sauna.

Ich mache daher zweimal Pause. Das erste Mal nach gut zehn Kilometern. In dem einzigen Dorf unterwegs gibt es eine Bar. Auf deren Terrasse eine Vielzahl älterer Männer sitzen und mich anglotzen als ich meinen Rucksack stöhnend absetze und mich auf einen Stuhl fallen lasse. Vom Dach, wo gearbeitet wird, schaut jemand runter und fragt, ob ich Deutscher sei. Erneute Begrüßung auf Deutsch. Die alten Männer, helfen mir die eigentliche Bar zu finden. Die Terasse gehört nicht dazu, was ich so nicht verstanden haben. Keiner von uns versteht ein Wort. Mir ist aber durch Gesten klar, wo ich hin muss. Ich bestelle einen Kaffee und eine Limo. Als der Kaffee fertig ist kommt der Mann vom Dach in die Bar. Er war als Kind Anfang der 70er in Tübingen und spricht dafür, dass er schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr in Deutschland war hervorragend Deutsch. Wie immer werde ich interviewt, was ich zu Fuß mit einem Rucksack mitten in Griechenland mache. Ich muss ausführlich erzählen. Es wird übersetzt und es gibt nur Ungläubigkeit. Das hat mehrere Gründe: So weit freiwillig zu laufen versteht keiner. Radfahrern wäre noch in Ordnung Laufen ist es nicht. Wie kann man so lange alleine unterwegs sein. Wie so ich das alleine mache, ist noch unverständlicher als Wandern. Zum letzten ist ihrer Meinung nach das viel zu gefährlich. Wenn was passiert in den Bergen, mit den wilden Tieren und den freilaufenden Hunden, habe ich keine Hilfe; so was macht man einfach nicht.

Nach fast einer Stunde Palaver gehe ich weiter. Auf den restlichen Kilometern hält jedes vorbeikommende Fahrzeug, unabhängig aus welcher Richtung, an und fragt, ob ich der Deutsche bin der freiwilliges nach Kalambaka wandert. Erstaunlich mit welcher Geschwindigkeit die Geschichte verbreitet hat. Bisher habe ich häufig angeboten bekommen, mich in die nächste Stadt mitzunehmen. Heute bekomme ich stattdessen Daumen hoch und freundliche Worte, die ich nicht verstehe, mit auf den weiteren Weg.

Das zweite mal pausiere ich nach gut zwanzig Kilometer an einem Flüssichen, in dem ich zu aller erst mal meine Füße abkühle und damit Schuhe und Strümpfe zum Trocknen in die Sonne lege kann.

Kurz nach dem ich den Flusslauf hinter mir liegen habe, fängt es an zu Gewittern und erst zu tröpfeln und danach immer wieder stark an zu regnen. Der Regen kommt in Wellen. Nach Kurzem bin ich durch und durch Naß. Das Wasser läuft durch meine Schuhe. Zunächst ist das erfrischend, später fange ich an zu frieren. Als Konsequenz laufe ich immer schneller und komme somit schneller voran als gedacht. Unangenehm finde ich, das entlang meines Weges mal kreuzend, mal parallel, mal näher und mal weiter entfernt Hochleitungskabel verlaufen, in die Blitze mehr als einmal einschlagen.

Kurz vor meinem Ziel beruhigt sich das Wetter wieder. Eine Schildkröte liegt auf dem Weg auf den einige Sonnenstrahlen fallen, krabbelt aber schnell weg als ich näher komme.

In dem Dorf habe ich meine Schwierigkeiten, die Pension zu finden. Ich habe die Geo-Koordinaten eingegeben aber es gibt keinenHinweis, ob ich richtig bin. Ein Nachbar kommt heraus, ich versuche, zu fragen, ob ich richtig bin. Ein Wortschwall geht auf mich wieder und wieder nieder. Ich verstehe lediglich Germania und glaube, der Besitzer, des Hauses sei in Deutschland. Den Namen der Pension selbst in Griechisch kennt er nicht. Ich ruf die Nummer an, die auf Booking.com angegeben ist. Tatsächlich spreche ich mit dem Besitzer. Nach einigen Verwirrungsbeiträgen ist klar, ich bin am richtigen Haus und die Schlüssel liegen bereit. Ich gehe rein: das Ganze ist eine Katastrophe. Das Zimmer ist ein Loch. Ich brauche eine Weile, um das „Badezimmer“ zu finden. Es ist außerhalb in einem Kellerverlies. Im Zimmer gibt es eine Küchenzeile. Dort lasse ich das Wasser laufen, damit ich meine nassen Klamotten gleich in der Spüle waschen kann. Es kommt nur kein Wasser. Es fängt kurz an zu tröpfeln, dann kommt schwarzer Sand und dann nichts mehr. Im Bad das selbe. Hier fehlt der schwarze Sand. Das Abwasserrohr ist mit Klebeband fixiert. Fenster können nicht geschlossen werden, da sie ebenfalls mit Klebeband in offenen Zustand fixiert sind. Der Fußboden ist aufgequollen. Na hier fühle ich mich aber super wohl. Erzürnt, nackt mit Badetuch bekleidet rufe ich wieder den Besitzer an, der so tut als könne das gar nicht sein. Er verrät mir zwar nicht wo er ist aber so weit weg, dass er nicht selbst kommen kann. Aber seine Großmutter wohne im Dorf und würde das Wasserproblem lösen. Was teilweise nach mehr als einer Stunde gelingt. Ich immer noch mit meinem Badetuch umschlungen. Während ich dann dusche, kommt Großmutter immer wieder vorbei, um verschiedene Probleme zu lösen. Es ist ihr völlig egal, dass ich, da sich die Tür nicht schließen lässt, unter der Dusche stehe und geht im Zimmer umher.

Versöhnlich stimmt mich, dass der Ortskern ausgesprochen hübsch hergerichtet ist und ein aktives Leben statt findet. Es gibt sogar einen Supermarkt. Dort kaufe ich ein, was ich für ein Frühstück brauche. Es kann nichts mehr schief gehen. Hoffen wir mal, das die Betten sauber sind und mich keine Tierchen plagen werden.

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