Tag 10: 13.05.22


Wie geplant mache ich mich um kurz nach sieben an den Aufstieg. Ich brauche über vier Stunden bis zu meinem Zwischenziel auf 1.100 Meter. Das Restaurant dort hat heute zum erstgenannten in dieser Saison offen. Mein Glück, so bekomme ich eine Bohnensuppe und auch hinreichend zu trinken.

 Ein Blick zurück: das Meer

 Ein Blick nach vorn: der Olymp

Es schwirren viele Touristen rum, da man mit dem Auto bis hier hoch fahren kann. Interessant was ich alles so beobachten kann: eine Familie ich gehe von drei Generationen aus wollen offensichtlich eine Wanderung unternehmen. Bis zum Aufbruch dauert es allerdings. Erst wird ein Kleinkind in den Kinderwagen gesetzt und der Vater trägt zwei Rucksäcke und schiebt den Kinderwagen. Nach nicht einmal fünf Minuten kommen alle wieder zurück und der Kinderwagen wird ins Auto gebracht. Das Kleinkind wird vor dem Bauch getragen. Die Mutter – im übrigen – trägt Plateauschuhe und hat ein Shirt mit einem schon fast obszönen Ausschnitt an. Jetzt geht es aber wirklich los. Nicht lange kommen Mutter und Oma zurück. Oma wird ins Restaurant verfrachtet: nächster Aufbruch. In der Zwischenzeit läuft eine Frau in Flipflops an meinem Tisch vorbei und macht sich an den Aufstieg. Super: einmal Plateauschuhe und einmal Flipflops. Ungefähr zwanzig Minuten später breche ich auf. Die Familie hole ich nach knapp zehn Minuten ein. Mutter hat keine Lust mehr und keift Mann und zweites Kind an. Ich grüße freundlich und bin sicher, es wäre für alle besser sie gingen zurück. Nach weiteren zehn Minuten kommt mir Frau Flipflop entgegen. Ich bin überrascht, wie weit sie mit diesen „Schuhen“ gekommen ist.

 Mein Weg entlang eines Flusses. Mal wild …

 … mal ganz langsam

 … und mal muss er überquert werden

Erstaunlich viele Leute aus vielen Europäischen Ländern kommen mir entgegen. Ich werde auf Italienisch, Französisch, Englisch und natürlich auf Deutsch gegrüßt. Auch ein Grieche ist dabei, er reitet auf einem Esel und vier weitere Tiere im Schlepptau. Wie später erfahre wird die Hütte über diesen Weg versorgt. Man kann auch einen Esel auf der Zwischenstation in der Saison mieten, damit er das Gepäck nach oben auf die Hütte trägt. Ich muss meinen schweren Rucksack, da keine Saison ist, selber tragen.

 Die Supply Chain zur Hütte funktioniert

Nach weiteren drei Stunden bin ich oben auf 2.100 Meter. Hier hängen erstaunlich viele Leute rum. Zu meiner Überraschung bleiben die meisten für die Nacht und , während ich mich im Aufenthaltsraum versuche aufzuwärmen, kommen weitere Übernachtungsgäste an.

Die Hütte ist ziemlich primitiv und kalt. Sie hat zwei Aufenthaltsräume. In beiden brennt ein Kaminfeuer, trotzdem bleiben die Räume kalt. In meinen Fingern habe ich kaum Gefühl.

Die Hüttenmannschaft spricht fließend eine Reihe der wichtigen Europäischen Sprachen. Ich werde sofort auf Deutsch angesprochen. Man ist freundlich aber es ist klar, hier handelt es sich um eine Massenabfertigungseinrichtung und alles ist ausgesprochen unpersönlich. Ich muss immer wieder feststellen, das können die Österreicher und Südtiroler einfach besser.

Es gibt zwar Wifi, das System scheint so überlastet zu sein, dass ich keinen stabilen Zugang aufbauen kann. Meine Geräte zeigen zwar 4G mit einem Balken Signalstärke an. Trotzdem habe ich dem Grunde nach keinen Internetzugang, nichtmal Google-Maps baut eine Karte auf, weshalb ich keine Planung für Morgen machen kann.

Mit der Hüttenwirtin habe ich kurz gesprochen, ob ich den E4 weiter gehen kann. Außer dass viel Schnee liege, erfahre nicht wirklich etwas Neues. Dass viel Schnee liegt, weiß ich natürlich selbst: ich brauche nur nach draußen zu gehen und schon stehe ich mitten im Schnee. Auf dem Weg zur Hütte ging der Weg die letzten ca. 150 Höhenmeter fast ausschließlich durch den Schnee.

Ich habe also keine Ahnung, was ich Morgen mache: riskiere ich eine Überquerung des Olymp-Massivs oder kehre ich um und umlaufe das Bergmassiv.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.