Obwohl letzte Nacht in den Straßen von Monterotondo gefeiert wurde, habe ich tief und fest geschlafen. Mein iPhone reißt mich um 07:30 Uhr aus einer Tiefschlafphase mit einem überlauten Klingeln. Die dicken Regenwolken lassen wenig Licht ins Zimmer, sodass ich einen Moment brauche, um richtig wach zu werden.
Nach meinem Start besichtige ich als erstes die Kathedrale von Monterotondo. Hier im Lazio scheint jeder Ort über 5.000 Einwohner eine Kathedrale ihr eigen zu nennen. Die von Monterotondo wird gerade restauriert. Der Altarraum ist aufwendig ausgestattet. Bei so viel Pracht geht der Prediger unter. Ob das Absicht ist oder war? Ist bzw. war das Personal der Katholischen Kirche so schlecht, dass der Altarraum dies überspielen soll?

Mit solchen Gedanken verlasse ich die Kathedrale und nehme mein wenig üppiges Frühstück (Cappuccino mit Brioche und zum Abschluss einen Espresso) in der Bar direkt neben der Kathedrale ein und präpariere mich für Weg der heute vor mir liegt: 33 Kilometer und 1.100 Höhenmeter. Was mich an dem Weg schreckt: ungefähr bei Kilometer 28 muss ich etwa 500 Meter hoch anschließend wieder fast die gleiche Höhe runter, um dann nach Castelnuovo di Farfa wieder 300 Meter hoch. Das bedeutet, wenn ich bereits müde bin, muss ich meine Reserven mobilisieren, um den vorletzten Anstieg zu bewältigen. Ich kann mir schon jetzt vorstellen, wie ich mit müden Beinen den Berg runter stolpere und aufpassen muss, nicht zu stolpern oder zu stürzen. Wo sollen dann die Kräfte herkommen, den letzten steilen Anstieg zu bewältigen? Davor habe ich ordentlich Respekt.

Es wird ein schöner Wandertag. Ich pilgere durch die Sabiner Berge. Schaut Euch die Bilder an: Ist das nicht einfach nur schön? Unterwegs klaue ich von einem der vielen Granatapfelbäume, die hier wachsen und nicht abgeerntet werden, einen Granatapfel. Der ist gar nicht so einfach ohne Werkzeuge zu essen. Ich bohre mit einem Finger ein Loch in die harte Schale und entferne von dort nach und nach die Schale. Immer wenn einige Kerne freigelegt sind, schlürfe ich diese raus. Nach etwa einem Drittel habe ich hinreichend Angriffsfläche, um den Granatapfel aufzubrechen. Jetzt ist es leicht an die saftigen Kerne heranzukommen. So ein Granatapfel spendet erstaunlich viel energiebringende Flüssigkeit. Nachteil meines Vorgehens: ich habe ganz gelbe Finger von der Schale und das Gelb lässt sich nicht einfach unter klarem Wasser abspülen.

Zurück zu den Sabiner Bergen, ich verbinde sie sofort mit der sagenumwobenen Römischen Geschichte. Denn kaum ist Rom aus dem Ei gekrochen, rauben die Römer die schönen Sabinerinnen und bauen darauf ihre beeindruckende Erfolgsgeschichte auf. Ich bin mir nicht sicher, ob das Teil meines Geschichts- oder des Lateinunterichts war. Jetzt weiß ich wenigstens, wo die Römer ihre Frauen her haben.

Traumhaft schön liegt der Ort Fara in Sabina mit seinem Kloster. Wenn ich es richtig verstanden habe handelt es sich um ein Nonnenkloster. Verwunderlich finde ich die Gestaltung der Kirchenfront des Klosters. Auf den Eingangstüren sind auf den Türen eine Nonne und ein Mönch als Relief zu sehen, die sich alles andere als keusch anschauen. Links neben dem Eingang ist als Bild, ein durchtrainierter männlicher Engel mit wenig Bekleidung in die Fassade eingearbeitet. Was das wohl bedeuten soll?

Völlig erschöpft komme ich um kurz vor fünf in Castelnuovo an. Mein Zimmer liegt im historischen Kern des Ortes in einer Kleinststraße, in die GoogleMaps Schwierigkeiten hat, mich korrekt hinzuführen. Ich muss etwas suchen. Dann spricht mich ein junges Pärchen an, das vor einer Haustür sitzt und fragt, ob ich Mr. Jakob bin. Die begleiten mich schließlich über eine steile Treppe in die kleine Wohnung, in der ich heute übernachten darf.