Tag  20 – 26.10.26: Chiusi della Verna – Prato alle Cogne

Auch beim Check-out werde ich mit den Nonnen nicht warm. Empathisches Verhalten sieht anders aus. Nun gut, also rauf zum Kloster La Verna.

Trotz der schon winterlichen Temperaturen komme ich schnell ins Schwitzen. Ich komme durch den Südeingang, der nur zu Fuß zu erreichen ist, ins Kloster. Ich laufe direkt auf eine Kapelle zu. Von dort gelange ich auf eine große Terrasse mit einem gewaltigen Holzkreuz. Von der Terrasse habe ich einen fantastischen Blick gleich in mehrere Täler. Das Kloster liegt auf einem – sicher 30 Meter hohen – Felsen, was ihm einen festungshaften Charakter verleiht.

Von der Terrasse gehe ich direkt in die Basilika, die eine Größe hat, die einer Großstadt würdig wäre. In der Basilika gibt es einen eigenen Raum mit Reliquien. Prominentestes Stück ist ein Mantel vom Heiligen Franz von Assisi.

Da ich noch nicht gefrühstückt habe suche ich die Bar des Klosters, um mein gewohntes italienisches Frühstück einzunehmen. Ich begegne einer Reihe von Mönchen, die wie die Nonnen im Haus vom Pastor Angelicus eher reserviert sind. Aber vielleicht ist es nicht üblich bei Klosterbrüdern Pilger zurück zu grüßen. Die Bedingung in der Bar hat die Muffeligkeit der Mönche übernommen. Wäre sie freundlicher gewesen, hätte ich möglicherweise nicht nur eine kleine Tafel La Verna Schokolade gekauft.

Mich überrascht die Zahl der Mönche, denen ich begegne. Wenn es nicht immer die gleichen sind, sind es sicher deutlich mehr als zwanzig, die ich zähle.

Mein Weg führt mich heute durch feuchte kalte Wälder mit vielen Wasserläufen und kleinen Weilern, bergauf und bergab. Der größte Ort ist Badia Prataglia. Auch dort gibt es nur eine Bar und da es früher Nachmittag ist, ist auch das Alimentari geschlossen. Ich hätte mich gerne für heute Nacht noch besser versorgt, da ich davon ausgehe, zu zelten.

Am Nachmittag passiere ich die Einsiedelei Prato alle Cogne. Dort gibt es einen kleinen Laden mit Lebensmitteln, Getränken, Naturkosmetik und Bar. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich trinke eine Limonade und möchte gerne ein Stück Käse kaufen. Die Bedienung hat keine Lust Käse abzuwiegen. Ich könne ja etwas fertiges, wie ein völlig überteuertes Glas Honig (500 gr. fangen bei 18 Euro an), kaufen. Damit habe ich nun endgültig für heute die Nase voll von den Kirchendienern und ihren Angestellten. Die können mich mal.

So, nun muss ich auch nach einem Zeltplatz schauen, der einigermaßen trocken ist. Das ist nicht so einfach. Ich beginne schon unruhig zu werden, da es bereits fünf Uhr ist und die Sonne den Himmel beginnt rot einzufärben. Ich erreiche eine Anlage mit einem U-förmigen Haus, Fahnen und einer Art Rastplatz. Ob ich hier sogar ein Zimmer bekomme? Es ist alles zu und verlassen. Das passt mir auch. Ich stelle bei den Bänken auf einer Rasenfläche bereits in der Dämmerung mein Zelt auf. Bereits als ich die Luftmatratze aufpumpe, ist es stockfinster.

Als ich mich ins Zelt setze sind es zwar noch neun Grad, durch die Feuchtigkeit fühlt es sich sehr kalt an. Meine Hände werden überhaupt nicht mehr warm und ich brauche trotz des Schlafsacks, den ich zunächst nur als Decke benutze, drei Oberteile.

Ich bin gespannt, wie die Nacht wird!

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