Ich wache heute Nacht immer wieder auf, da der Regen heftig auf das Zelt trommelt. Ich mummele mich dann immer wieder tief in meinen Schlafsack und lasse mich vom Regen in den Schlaf wiegen. Erholt wache ich bei Sonnenaufgang auf. Kuschele mich aber noch mal in meinen Schlafsack, weil es just wieder anfängt zu regnen. Eine Viertelstunde später wird es im Nachbarzelt unruhig. Die Franzosen sind wach und sofort wird es laut. Nun gut, dann mache ich mich auch fertig.
Ich lasse mir Zeit, da es keine zwanzig Kilometer mehr bis Gubbio, meinem heutigen Ziel, sind. Das sollte ich locker in vier Stunden schaffen.

Zunächst muss ich durch den Wald gut 300 Meter den Berg hoch kraxeln. Da ich meine Regenjacke an habe, bin ich von innen durchs Schwitzen völlig durchnässt und von außen läuft das Regenwasser die Jacke runter.
Nach gut zehn Kilometern komme ich in ein kleines Dorf: Ponte d‘Assi. Dort stürme ich die erste Bar. Ich esse eine Kleinigkeit und genieße einen Cappuccino. Mir wird im nassen T-Shirt kalt. Also ziehe ich mir was Trockenes an. Das hilft sofort. Mit dem Minisandwich und dem Kaffee im Buch fühle ich mich sofort besser.
Ich checke die Zeit und mir ist klar ich werde bereits um 13 Uhr in Gubbio sein. Also schicke ich meiner Vermieterin eine Nachricht, dass ich deutlich früher in Gubbio sein werde als gestern geplant. Ihr passt um 13 Uhr. Das freut mich, so muss ich nicht irgendwo Zeit vertrödeln.
Heute haben wir – Wolfgang wird am späteren Nachmittag zu mir stoßen – eine schöne Wohnung hoch oben in der wunderschönen Altstadt von Gubbio. Nachdem ich angekommen bin und mir die Vermieterin die Schlüssel übergeben hat, werfe ich erstmal die Waschmaschine an. Danach packe ich alles aus meinem Rucksack aus, um alle Gegenstände zum Trocknen auszubreiten. Auch wenn natürlich kein Regenwasser ins Zelt kommen kann, wird es im Zelt durch die Luftfeuchtigkeit und meine Ausdünstungen feucht. Gut dass die Wohnung groß ist und ich meine Sachen gut ausbreiten kann.

Nun kann ich Gubbio besichtigen mit seinem Hauptplatz und den beeindruckenden Gebäuden, die den Platz umgeben sowie der Kathedrale, die noch eine Straße höher liegt. In ihrer Dunkelheit wirkt sie in besonderer Weise sakral. Ich bin mir nicht sicher, ob mir das wirklich gefällt. Definitiv macht die Kathedrale etwas mit mir, was ich nicht in der Lage bin, zu artikulieren.

Dann klingelt mein Telefon und Wolfgang will wissen, wo er hinkommen soll. Ich mache mit ihm einen Treffpunkt aus, wo er sich von seinem Taxi absetzen lassen kann, ohne in die Enge der Altstadt fahren zu müssen, zumal das nicht erlaubt ist. Kaum bin ich draußen, fängt es zu regnen an und ich habe dummerweise meine Regenjacke im Apartment gelassen. Ich will Wolfgang nicht warten lassen, also ertrage ich den Regen.

So jetzt trinken wir erstmal einen Weißwein und schnacken ein bisschen, machen Pläne für Morgen und dann geht es zum Essen. Ich werde heute unbedingt warmen Käse mit Trüffel, eine absolute Spezialität der Region, essen.