Den ganzen Abend habe ich irgendwelche Tiere im Gestrüpp unter mir gehört, ohne dass sich eines gezeigt hätte. Ich war die ganze Zeit davon ausgegangen, dass es Kühe unter mir weiden. So gegen Mitternacht werde ich wach, weil ich um mich herum Getrappel höre. Ich lausche und versuche, durch das Zelt zu erkennen was da vor sich geht. Dann höre ich Grunzen und kann mehrere Wildschweine ausmachen. Als ich meine Stirnlampe einschalte, traben sie sofort davon. Ich krieche wieder tief in meinen Schlafsack und schlafe schnell wieder ein.
Mein Wecker reißt mich um sieben aus dem Schlaf. Es ist noch dämmrig und ich überlege, ob ich mich nicht noch einmal umdrehe. Auf dem Feldweg, der etwa 200 Meter entfernt ist, fährt ein Auto. Da ich mich nicht von irgendwelchen Bauern verscheuchen lassen möchte, stehe ich etwas widerwillig auf.
Im Hintergrund bellen Hunde. Auf der Suche nach einem Zeltplatz bin ich an einer Art Stall vorbeigekommen, wo eine Reihe Hunde herumliegen. Die begannen zu bellen, als ich mich näherte. Die bellten als ich mein Zelt aufbaute, sich nicht meinetwegen, dafür bin ich viel zu weit weg. Die bellten als ich es mir im Zelt gemütlich machte und die bellten, als ich mich schlafen legte. Die bellten eigentlich die ganze Zeit. Das Gebell muss im nahe gelegenen Dorf, das näher an diesem Stall gelegen ist als mein Zeltplatz, die ganze Zeit auch zu hören gewesen sein. Würde ich dort wohnen, ich würde ausflippen.

Heute habe ich eher einen leichten Weg vor mir: ca. 27 Kilometer und nur ca. 500 Höhenmeter. Mein Ziel ist Foligno, noch knapp 20 Kilometer vor Assisi. Ich habe Foligno gewählt, da sich dort ein Bahnhof befindet. Ich muss über das Wochenende nach Hause und damit ist Foligno perfekt. Ich bin deshalb auch in einem Hotel abgestiegen, da ich dort meinen Rucksack lassen werde und auf dem Rückweg mitten in der Nacht einchecken kann.
Nicht zu besichtigende Emeritage
Aber noch ist es nicht soweit ein schöner Wandertag mit bestem Wetter und geringen Anstiegen liegt vor mir. Erste Etappe ist eine Eremitage, die angeblich vom Heiligen Franz von Assisi gegründet wurde. Nur deshalb steige ich ca. 300 Meter hoch. Oben bin ich enttäuscht, da man sie nicht besichtigen kann. Als ich versuche, etwas über die hohen Mauern zu erkennen, kommt überraschend eine Nonne heraus und fängt ein Liedchen anzutrilleren. Das finde ich schon sehr schräg. Ich spreche sie an, sie spricht aber nur Italienisch und ich kann ihre Intension nicht herausfinden, auch nicht, ob man die Eremitage besichtigen kann. Also ziehe ich weiter und ärgere mich darüber, hier hochgekommen zu sein.
Hauptplatz von Trevi
Umso schöner ist der nächste Ort, hier kann man sogar alles besichtigen! Trevi – wie der berühmte Trevi-Brunnen in Rom. Wie scheinbar alle Orte auf diesem Weg liegt er auf einem Berg. Diese Aussage muss ich allerdings wieder zurücknehmen. Denn Foligno, mein heutiges Ziel, liegt im Tal und hat trotzdem eine wunderschöne Altstadt. Allerdings ist das äußere Umfeld mit seinen hässlichen Gewerbegebieten eher schrecklich.

Auch Trevi liegt hoch oben auf einem Berg
Trotz der bellenden Hunde, der Nicht-Besichtigung der Eremitage und den gruseligen Gewerbegebieten ist es ein wundervoller Wandertag, der mich meist durch ausgedehnte Olivenhaine führt mit sehr schönen Wegen.
Erschöpft erreiche ich recht früh das Hotel in Foligno, das nur ca. 200 Meter vom Bahnhof und 400 Meter von der Kathedrale entfernt liegt. Der Hotelier empfiehlt mir ein Lokal, das alle Produkte selbst herstellt. Dort gehe ich hin und erhalte ein viel zu üppiges Abendessen, weshalb mir der Wirt noch einen Grappa ausgibt. Nun bin ich nicht nur vom Essen voll sondern auch vom Alkohol.
Mein Tag beginnt Morgen früh, da mein Zug bereits um 07:50 Uhr geht. Deshalb muss ich jetzt schnell ins Bett.