Müde sitze ich in meinem Zelt kurz hinter dem Bergdorf Bazzano Superiore, das etwa 10 Kilometer nördlich von Spoleto liegt. Zwei Stunden habe ich in Spoleto verbracht und davon die meiste Zeit in der Kathedrale von Spoleto, Santa Maria Assunta.
Um nach Spoleto zu kommen, musste ich ganz schön leiden. Schon bald nach meiner Unterkunft endete das Tal, in dem ich die Nacht verbracht hatte, und ich musste eine Bergkette überwinden, um in ein Tal Richtung Norden zu gelangen, nämlich nach Spoleto. Der Pass liegt auf 1.000 und der Gasthof auf etwa 250 Höhenmetern. Trotz des Sonnenscheins war es heute Morgen wieder kalt. Ich habe gefroren, ich habe geschwitzt und mir war heiß. Alles irgendwie gleichzeitig. Oben angekommen habe ich meinen Rucksack regelrecht abgeworfen. In der Sonne stehend habe ich in einem Zug fast einen kompletten Liter Wasser getrunken und noch einen schönen großen und sehr saftigen Apfel gegessen. Trotz der Stärkung war der Abstieg zeitraubend, da das Geröll auf den Wegen wenig Halt geboten hat und ich langsam machen musste.

Die Mühen haben sich aber gelohnt. Kurz vor Spoleto kam ich durch eine traumhaft gelegene Klosteranlage. Das Highlight war allerdings die Burg auf der anderen Talseite bzw. die Brücke die das etwas höher gelegene Kloster mit der Burg verbindet. Bis ich die Brücke erreicht hatte, war ich überzeugt, dass ich da nicht drüber kann: viel zu schmal und kein Geländer. Tatsächlich kann man die Brücke ganz sicher überqueren.

Die Altstadt, die sich an die Burg talwärts anschließt, ist ein Schmuckstück. Ich halt auf den Dom zu, der von außen, möglicherweise auch wegen der Restaurierungsarbeiten, eher unscheinbar wirkt. Das ist innen ganz anders. Die Rosenfenster verbreiten ein ungewöhnlich schönes Licht und lassen die Fresken im Hauptschiff und vor allem im Altarbereich ungewöhnlich hell erstrahlen. In den beiden Seitenschiffen gibt es in der Verlängerung des Altarraums links und rechts prächtige Kapellen. Diese sind von einer einzigartigen Schönheit. In der linken gibt es Fresken an der Decke, die mich, natürlich nicht von den Motiven, an die Deckenmalereien in der Sixtinischen Kapelle erinnern.

Es gibt noch weitere Nebenräume, jeder für sich ein Kunstwerk bestehend aus vielen stimmig zusammengestellten Kunstwerken. Ein Raum, den man leider nicht betreten kann, stammt noch aus vorchristlicher Zeit.

So jetzt muss ich aber mal weiter und ich mache mich auf den Weg in Richtung Assisi, das noch etwa 50 Kilometer entfernt liegt. Um sechs erreiche ich Bazzano Superiore, das auf einer 200 Meterhohen Anhöhe liegt. Seit ich aus Spoleto raus bin, gab es zwar einige winzige Dörfer aber alle ohne jegliche Infrastruktur.
Also, mache ich mich auf die Suche nach einem Plätzchen für mein Zelt. In einem Olivenhain werde ich fündig. Rückzug steht das Zelt und die „Einrichtung“ auch.

Schnell ist die Sonne weg und mit der einsetzenden Dämmerung wird es sofort wieder frisch. Um mich ein wenig zu wärmen und meinen Hunger zu stillen, bereite ich mir eine Kartoffelsuppe zu. Mit viel Salz und Pfeffer schmeckt die richtig gut.