Die ganze Nacht wurde die Region von starken Gewittern und heftigem Regen heimgesucht. Gewitter und Regen wollen überhaupt nicht enden. Um halb neun sieht es nicht nach Besserung aus. Es blitzt, donnert und schüttet. Die Wettervorhersage macht keinen Mut. Also ziehe ich die Regenjacke an, packe meine Brille in den Rucksack und starte meinen Weg nach Rom.
Ich wollte heute Morgen den Sommerpalast des Pastes in Castel Gandolfo anschauen. Das spare ich mir bei dem Wetter und werfe nur einen schnellen Blick von außen auf den Palast. Ich frage mich, ob man Gebäude, die offensichtlich aus dem Mittelalter stammen, so modernisieren kann, dass man darin gerne seine Ferien verbringen will. Und wenn das geht, gilt das für das gesamte Gebäude oder nur für einen kleinen Teil. Wie groß wird der Hofstaat für die Sommerfrische eines Papstes wohl sein und brauchen die den kompletten Palast bzw. mieten sich auch einige in Hotels ein?
Sommerpalast
Auf meinem heutigen Weg wird mir mal wieder bewußt auf welch hohem Niveau wir Deutschen gerne über uns – in diesem Fall Infrastruktur – herziehen. Aus dem Erlebten könnte ich den Schluß ziehen, Italiener haben keine Ahnung von Physik. Oder handelt es sich um puren Egoismus, dass Grundstücke nicht an die Kanalisation angeschlossen sind und das Oberflächenwasser einfach auf die Straße abgeführt wird? Die Folgen sind: an jedem Tiefpunkt entstehen Pfützen. Wenn diese überlaufen, sammeln sie sich am nächsten Tiefpunkt mit um so mehr Wasser und bilden regelrechte Seen. Ich glaube, das haben die Römer schon in der Antike besser gemacht, was leicht erkennbar ist: Ein großer Teil meines heutigen Weges laufe ich auf der antiken Via Appia. Auf dem Originalweg ist alles super, wo die Steine geklaut wurden herrscht die Katastrophe. Häufig muss ich heute durch knöcheltiefes Wasser waten und, gibt es an der Seite einen etwas erhöhten Pfad, ist er schlammig und rutschig. Zurück zu meiner Eingangsthese über uns jammernde Deutsche: klar bei uns ist alles teurer, aber dafür bauen wir super Straßen, haben überall Bürgersteige, auf denen wir trockenen Fußes ohne Pfützen, sicher laufen können und müssen nicht als Fußgänger die Straße mit rücksichtslosen Autofahrern teilen. Die Aussagen könnte ich auf meine Unterkünfte gleich ausweiten. Mit was sich Menschen hier zufrieden geben, würde bei uns als unbewohnbar definiert werden. Genug gejammert.
Original der Via Appia
Modernisierter Teil der Via Appia
Auf der schnurgeraden Via Appia pilgere ich nach Rom. Heute treffe ich erstaunlich viele Pilger, ausnahmslos weiblich. Am Wetter kann es kaum liegen, dass so viele Pilgerinnen unterwegs sind, auch wenn im Laufe des Vormittags sich die Gewitterwolken verziehen und es immer wieder sonnig wird.
Rechts und links der Via Appia liegen große Höfe, auf deren Grundstücken oft antike Bauwerke bzw. Ruinen stehen. Diese ländlich geprägte Struktur zieht sich bis über den „Mittleren Ring“ hinein in die Stadt und endet abrupt etwa fünf Kilometer vor dem Zentrum.
Links und rechts der Via Appia finden sich immer wieder antike Bauwerke und auch große Bauernhöfe
Vorbei am Colosseum, am Forum Romanum, dem Pantheon überquere ich den Tiber bei der Engelsburg. Von dort sind es nur noch wenige hundert Meter bis zum Petersplatz, an dessen Ende der Petersdom thront. Dieses Ensemble ist immer wieder überwältigend. Leider kann ich diesmal nicht in den Petersdom. Er ist heute seit 12:30 Uhr leider geschlossen. Da ich in unmittelbarer Nähe ein Zimmerchen gebucht habe, gehe ich vielleicht Morgen früh noch einmal hin. Man kann über die katholische Kirche sagen was man will aber Symbolik beherrscht sie perfekt, von der ich mich Morgen früh gerne im Petersdom einnehmen lassen werde.

Vor dem Pantheon warten die Menschenmassen auf Einlass
Als wir vor mehr als 40 Jahren nach Heidelberg gezogen sind, war ich vor allem an Wochenenden beeindruckt von den Touristenströmen, die sich durch die Stadt geschoben haben. Ich war lange der Meinung, dass eine Stadt pro Quadratmeter nicht mehr Touristen aufnehmen kann. Rom belehrt mich jedes Mal eines Besseren. Es beginnt, diesmal von Süden kommend, kurz vor dem Colosseum, dass sich Menschenmassen durch die mal breiten mal engen Gassen Leib an Leib alle mit der selben Geschwindigkeit von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, von Restaurant zu Restaurant und von Geschäft zu Geschäft bewegen. Das Touristenbild hat sich in den letzten Jahren in Rom verändert. In den Geschäften südlich des Tibers bedienen fast ausschließlich Asiatinnen und Asiaten. Asiaten prägen maßgeblich das Bild im Zentrum. Ich finde es faszinierend, dass die antike römische Kultur so einnehmend für Asiaten ist – oder ist Rom nur ein abzuarbeitender Punkt auf der Bucket-List?
Petersplatz mit Petersdom