Heute hatte ich perfektes Wanderwetter: kein Regen, Sonne und Wolken haben sich immer wieder abgewechselt und die Temperaturen lagen um die 20 Grad.
Am Morgen trödele ich noch in der Wohnung rum. Ich koche mir vier Eier. Zwei esse ich zum Frühstück und die beiden anderen nehme ich mit. Ich habe keine ideal gelegene Unterkunft gefunden und gehe daher davon aus, dass ich heute Nacht kampieren werde. Mit den beiden Eiern habe ich schonmal zusätzlich zu den Tütensuppen eine Kleinigkeit zu essen im Rucksack, auch wenn das Kalorien-Gewichtsverhältnis der Eier gegenüber gefriergetrockneten Produkten denkbar schlecht ist. Die Eier haben allerdings auch einige Vorteile: sie schmecken, haben einen hohen Proteingehalt, was mir in der momentanen Situation hilft, die noch fehlende Muskelmasse schneller aufzubauen, und ich kann sie mit sehr viel Salz essen, was mir gut tut, da selbst Mineralwasser nicht hinreichend Salz enthält, um den Salzverlust durchs Schwitzen auszugleichen.

Um 08:30 laufe ich dann endlich los, nur um 5 Minuten später gleich mal einen Espresso zu schlürfen. Da es aus Cori bergab geht, komme ich so richtig in Schwung. Bald komme ich an einem kleinen menschenleeren aber idyllisch gelegenen See vorbei. Danach muss ich die verlorenen Höhenmeter wieder aufholen, um das hübsche Städtchen Velletri zu erklimmen. Dort esse ich eine Pinsa, die hier in der Gegend schon mehrfach beworben wurde. Ich lasse mir erklären, dass die Pinsa eine Spezialität aus Lazio ist und es sich um einen Teigfladen handelt, der wie eine Pizza belegt wird und so ähnlich aussieht. Der Pinsateig besteht aber aus drei Mehlarten (Weizen-, Reis- und Sojamehl) und hat vor allem einen deutlich höheren Wasseranteil (ca. 80% / Pizza ca. 40%).

Nach Velletri gelange ich in einen feuchten Wald. Einen solchen Wald habe ich in Süditalien bisher nicht vorgefunden. Nicht nur die Luftfeuchtigkeit wirkt auf mich sehr hoch auch die Wege sind nass und schmierig. Da es steil bergauf geht, stellt die Luftfeuchtigkeit eine zusätzliche Belastung dar. Später fordert mich der Abstieg mit seinen nassen Wegen.
Als ich aus dem Wald komme, liegt unter mir der Lago di Nemi. Jetzt stellt sich die Frage: umrunde ich den See im Süden, was kürzer ist, aber bedeutet, dass ich über längere Zeit an einer viel befahrenen Straße entlanglaufen muss. Da ich vorhabe zu zelten, nehme ich den Weg im Norden um den See. Nicht lange nach der Entscheidung liegt das mittelalterliche Städtchen Nemi vor mir, das von Touristen geflutet scheint.
Knapp 30 Kilometer habe ich bereits auf der Uhr. So langsam muss ich mir einen guten Platz suchen. Nach Nemi muss ich wieder in den feuchten Wald zurück. Der scheidet definitiv als Zeltplatz aus. Da ich in der Nacht Regen bekomme, werde ich Morgen früh im Schlamm liegen. Als sich der Wald ändert; er ist immer noch dicht aber längst nicht mehr so nass, kommen mir ständig Spaziergänger und Radfahrer entgegen. Zusätzlich ist der Weg schmal und fällt zu dem Lago Albano, den ich bereits erreicht habe, steil ab. Wenn ich jetzt mein Zelt aufbaue, fallen mir die Spaziergänger über mein Zelt. Ich hoffe darauf, dass mit der einsetzenden Dämmerung die Leute aus dem Wald verschwinden, damit ich meine Ruhe bekomme. Daraus wird nichts, der Wald ist an einem Kloster zu Ende. Im Kloster finden irgendwelche Festivitäten mit vielen Teilnehmern statt. Hier brauche ich erst gar nicht fragen, ob ich im Klostergarten mein Zelt aufbauen darf.

Es bleibt mir nichts anderes übrig, ich muss nach einem Zimmer Ausschau halten. Auf Booking.com buche ich mir im nahegelegenen Castel Gandolfo eine kleine Ferienwohnung. Diese liegt direkt vor dem Sommerpalast des Papstes. Nur sehen kann ich nichts mehr, da die Dunkelheit eingesetzt hat und ich nach 40 Kilometern und 850 Höhenmetern am Ende meiner Kräfte bin.