Tag  9 – 12.10.26: Rieti – Santuario di Greccio

Der heutige Tag steht ganz im Zeichen von Kirchen und Klöstern. Es beginnt mit der Kathedrale von Rieti. Von meinem Quartier überquere ich zunächst den Velino ein Nebennebenfluss des Tibers und erklimme die auf einem Hügel liegende Altstadt. Ein lang gezogener Platz bildet das Zentrum der Stadt mit der Kathedrale am Nordwestende. Vor der Kathedrale ist in lebensgroßen Figuren das Krippenszenario nachgestellt, was aufgrund der dargestellten Personen, alles Geistliche, etwas makaber wirkt: die Kirche ist schon da aber Engel, Hirten und Könige aus dem Morgenland fehlen. Die dreischiffige Kathedrale ist üppiger ausgestattet als es in Italien üblich ist.

Als nächstes habe ich das Kloster Santurio di Fontecolombo besucht, danach die Kirche Sant‘ Elia, weiter zur Kirche San Giovanni in Contigliano, zur verlassenen aber vollständig renovierten Abbazia di San Pastore, um in dem wunderschön herausgeputzten Greccio die Chiesa di San Michele Arcangelo zu bestaunen und zum Abschluss die Santurio di Greccio mit der Grotta del Presepe mit einer Busgruppe Deutscher Touristen anzuschauen.

Jeder dieser Orte liegt auf einem eigenen Berg, sodass es ständig rauf und runter geht. Das ermüdet mich so sehr, dass ich zur Mittagszeit auf der Terrasse einer Bar in der Sonne sitzend am Tisch einschlafe. Damit verliere ich doch erklecklich viel Zeit auch wenn ich jetzt gut erholt bin. So ist es bereits später Nachmittag als ich Greccio erreiche und ich nicht mehr genügend Zeit habe, neben der Kirche und dem Hauptplatz den unglaublich schön hergerichteten Ort anzuschauen.

Weiter geht es zum etwa zwei Kilometer entfernt liegenden Kloster, das nach Greccio benannt ist. Hier steht weniger die Kirche des Klosters im Mittelpunkt des Interesses sondern eine zum Kloster gehörende Grotte. Diese hat eine salzige Quelle und es riecht wie in einem Spa. Ich erkläre mir den Namen Grotta del Presepe (Krippe) damit, dass in der Grotte ein Krippenspiel aufgebaut ist. Auffällig ist das Jesuskind, das nach meinem Dafürhalten bereits zehn Jahre alt sein muss. Ein übergroßes Jesuskind habe ich heute in Darstellungen in den Kirchen und Klöstern häufiger gesehen.

Da nun auch klar ist, dass ich heute Nacht zelten werde, brauche ich unbedingt noch Wasser. In einer Bar am Fuße der Santuria di Greccio gibt es eine Bar, dort fülle ich meine Wasserbestände auf. In Summe nehme ich drei Liter Wasser mit. In der Bar fragt mich, ob ich Hunger habe, sie habe noch Lasagne übrig und könne mir die warm machen. Die esse ich gerne (auch wenn meine viel besser ist), da ich dann später auf das Erhitzen einer Tütensuppe verzichten kann.

Nun muss ich sputen, es ist schon halb sechs, um einen geeigneten Platz im Wald für mein Zelt zu finden. Hier geht die Sonne bereits kurz vor halb sieben unter. Dann muss das Zelt stehen. Das ist gar nicht so leicht. Obwohl das Zelt sehr klein ist, gibt es kaum hinreichend ebene Stellen. Ich brauche eine knappe Stunde bis ich was gefunden habe. Es ist zwar nicht ganz eben, dafür ist es ein paar Meter abseits des Weges, so dass niemand, sollte jemand, wovon ich zwar nicht ausgehe, in der Dunkelheit noch durch den Wald pilgern, über mich stolpert.

Nun habe ich noch Zeit, meine Emails zu bearbeiten, die Nachrichten zu lesen: es haut mich fast um, dass Bärbel Bas von allen ihren Ämtern heute zurückgetreten ist, was ich nun überhaupt nicht erwartet hatte, und den heutigen zu verarbeiten. Neben Kirchen und Klöstern sind mir sehr viele Pilger begegnet. Entweder waren es Italiener oder deutschsprachige Wanderer. Ohne Strichliste geführt zu haben, waren die Deutschen und Österreicher in der Überzahl und im Alter 65plus.

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