Tag  13 – 19.10.26: Foligno – Assisi

Ich bin gestern Abend wieder zurück von Heidelberg über Rom nach Foligno gereist. Mein Flug landete planmäßig um 23 Uhr. Ich konnte um diese Uhrzeit nur mit einem Mietauto die knapp 200 Kilometer nach Foligno fahren. Um zwei Uhr war ich dann endlich im Hotel. Heute Morgen musste ich erstmal den Mietwagen zurückbringen, sodass ich erst spät meine Pilgerreise fortsetzen konnte.

Da Assisi nur gut 20 Kilometer von Foligno weg ist und Assisi der zentrale Ort des Pilgerweges ist, war immer klar, heute kann ich es entspannt angehen. So habe ich es auch gemacht.


Ziborium und eine von vielen Kunstgegenstände der Kathedrale von Foligno

Ich nehme mir Zeit durch die Altstadt von Foligno zu spazieren und besichtige sowohl die Kathedrale als auch die Chiesa di San Giacomo. Beide beeindrucken über ihr Ziborium und die Gestaltung des Altarraumes. Ihr wisst nicht was ein Ziborium ist? Gut, wusste ich bis heute auch nicht. Es ist ein aus Stein errichteter Baldachin über einem Altar.

Ziborium der Chiesa San Giacomo in Foligno

Nach Foligno pilgere ich mehr oder weniger Richtung Norden durch eine sonnige und liebliche Hügellandschaft. Im Tal sieht man Gewerbeunternehmen und an den Bergen gibt es eigentlich nur Olivenbäume hin und wieder mal einen Baum mit Granatäpfeln.


Ziborium der Kirche des kleinen aber sehr schmucken Ortes Spello

In den Olivenhainen brummt und summt es. Die Olivenernte hat begonnen und mit den Rüttelgeräten werden die Oliven von den Bäumen gerupft. Zum Transport werden immer noch die dreirädrigen Piaggios eingesetzt.

Um die Mittagszeit mache ich eine Pause im Schatten eines Olivenbaums und buche mir in Assisi ein Zimmer. So nun habe ich ein eindeutiges Ziel.

Enten und Gänse auf Fischfang

Kurz vor vier habe ich das Zentrum von Assisi erreicht. Bevor ich in mein Zimmer gehe, schlendere ich noch durch die zum Teil sehr steilen Gassen zur Kathedrale. Diese ist eingebettet in ein tolles Ensemble von Gebäuden. Innen beeindruckt mich die Kathedrale nicht. In einer Kapelle innerhalb der Kathedrale wird gerade der Gottesdienst für eine Trauung vorbereitet. Die Braut wartet bereits vor der Kathedrale darauf, hineingeführt zu werden. Priester und Gäste sind schon in der Kapelle. Der Bräutigam scheint noch zu fehlen.

Assisi

Ich bin gespannt, wie die Basilika gestaltet ist, in der San Francesco begraben ist. Die schaue ich Morgen an, da diese am Nordende von Assisi liegt und ich Morgen früh daran vorbeikomme, auch in der Hoffnung, dass dann noch nicht so viele Touristen unterwegs sein werden.

Kathedrale von Assisi mit wartender Braut

Tag 3 – 06.10.26: Monte della Buffalo – Cori

 

Ich habe den idealen Zeltplatz: Es ist eben und zu einer Seite schützt mich eine Naturmauer und zu einer anderen dichte Büsche. Nichts stört meine Nachtruhe; das stimmt nicht ganz, so gegen fünf Uhr werde ich wach, da Regen auf das Zelt trommelt. Ich schließe die Seitenwände, damit kein Regen ins Zelt getrieben wird. Dann schlafe ich noch bis zum Sonnenaufgang gegen sieben Uhr weiter.

Hier oben habe ich übernachtet 

Aufgrund des anhaltenden Regens muss ich meine Sachen alle im Zelt zusammen packen und im Rucksack verstauen. Am Ende sind nur noch mein Waschbeutel und das Zelt übrig. Schnell baue ich das Zelt ab. Die Zeltplane muss ich später trocknen. Jetzt kommt sie nass in einen Beutel und in den Rucksack. Im Regen putze ich mir die Zähne und mache eine Katzenwäsche. Dann kann es losgehen.

Da der Regen zunimmt und die Wetterprognose für heute keine wirkliche Besserung in Aussicht stellt, buche ich mir ein Zimmer in Cori. Laut Wikipedia war der Ort schon in der Antike bekannt und soll sehr schön sein. Nur 24 Kilometer und ca. 750 Höhenmeter liegen vor mir. Das soll reichen bei der Wetterlage.

Über schmale Pfade laufe ich den Berg bzw. der Hochebene, auf der ich die Nacht verbracht habe hinunter in ein wunderschönes mittelalterliches Dorf: Sermoneta. Dort frühstücke ich. Es gibt ein typisches italienisches Frühstück: ein Brioche mit einem Cappuccino. Ich schaue mir die Kathedrale und das Schloss an, das ein Papst im Ausgang des 15. Jahrhunderts für seine Tochter gebaut hat.


Papst Bendikt IV hat für seine Tochter dieses Schloß erworben

Von Sermoneta geht es auf Meereshöhe runter, nur damit ich kurz darauf wieder auf 500 Meter hoch in ein eher hässliches Dorf mit dem Namen Norma wandern muss. Mittlerweile ist es trocken und das Laufen ist nicht mehr so beschwerlich.


Die Flächen sowohl im Tal als auch auf den Anhöhen sind ausschließlich landwirtschaftlich genutzt: Olivenbäume, Kuhweiden, Pferde- und Eselkoppeln sind vorherrschend.


Nachdem ich auf Meereshöhe war muss ich nun hoch nach Norma auf 650 m üNN

Als ich Cori erreiche, fängt es wieder zu regnen an. Die Besichtigung des Ortes muss warten. Vom Stadttor bis oben zu meiner Unterkunft sind es mehr als 100 Höhenmeter. Der Ort besteht aus steilen Treppen und hohen schmalen Häusern. Obwohl auch hier viele Häuser zum Kauf angeboten werden, herrscht Leben in dem kleinen Städtchen.


Cori: Antike Mauern integriert in Bauwerke der Neuzeit

Zum Abendessen gehe ich in das nächstgelegene Restaurant. Ich bestelle vegetarische Antipasti und Trippa di Romana. Letzteres bestelle ich, da ich den Namen des Gerichts noch nie gehört habe. Ich hätte besser mal gleich mein Übersetzungsprogramm befragen sollen, was ich erst mache als das Essen kommt, da es eher wie eine Pasta aussieht als ein Fleischgericht. Um präziser zu sein, habe ich erst nach dem ich aufgegessen habe, nachgeschaut, da ich zunächst nicht wissen wollte um was es sich handelt. Meine Vermutung bestätigt sich. Es sind Kutteln. Ohne es wirklich zu wissen, haben sie geschmeckt, ansonsten hätte ich das Gericht wohl verschmäht. So werde ich wohl nicht mehr vergessen, dass Trippa Kutteln sind.

So nun muss ich ins Bett. Morgen liegen um die 30 Kilometer vor mir, da es wieder regnen soll, sodass Kampieren eher nicht in Frage kommt. Aber schau’n wir mal.

Tag 21 – 03.11.25: Formia – Monte San Biagio

Zum Schluß wird es nochmal richtig schön

Während Wolfgang und ich beim Frühstück sitzen, fängt es an zu regnen. Erst nur ein wenig und dann doch mehr. Also hole ich die Regenjacke aus dem Rucksack und ziehe sie über. Bei 18 Grad finde ich das unangenehm. Schon nach 500 Metern ist der Regen Geschichte. Rucksack ablegen, Regenjacke ausziehen und zusammenlegen, ab in den Rucksack mit dem Teil und weiter geht‘s. Jetzt kommt sie Sonnen raus. Sie begleitet mich durch den ganzen Tag.

An den Regen erinnern nach Kurzem nur noch die Pfützen auf den Straßen. Ich muss nicht nur auf die Autos aufpassen, sondern auch so gehen, dass sie mich nicht mit dem Schmutzwasser auf der Straße nass spritzen. Nicht lange und ich bin wieder auf der SS7 – der Via Appia – eine Schnellstraße. Mehrere Kilometer muss ich mich auf der Straße durchschlagen. Das ist bei dem dichten Verkehr und den hohen Geschwindigkeiten äußerst unangenehm. Positiv ist lediglich, dass auf der SS7 die Pfützen sehr schnell trocken gefahren sind und ich nicht mehr die Gischt der vorbeifahrenden Autos abbekomme.

Noch vor der ersten Stadt, durch die ich wandere, komme ich auf die Ur-Via Appia, die mit einigem Abstand zur Schnellstraße erst über einen „Pass“ und anschließend durch Felder und Obstplantagen führt. Von jetzt an wird es ein schöner Wandertag.

Ich treffe weiter Pilger, die auf der Via Francigena unterwegs sind. Länger unterhalte ich mich mit Martin aus England, der in Rom mit einem viel zu schweren Rucksack gestartet ist. Er meint er sei 18 kg schwer. Na viel Spaß damit.

Nach gut 33 km bin ich am Bahnhof von Monte San Biagio. Dort kaufe ich mir ein Zugticket nach Rom, wo ich mit Wolfgang verabredet bin. Da er nicht wirklich wandern kann, ist er natürlich auch ungeduldig.

Morgen früh schauen wir uns almerstes den Petersdom an und um 10:30 die Sixtinische Kapelle. Auf dem Weg zum Abendessen kommen wir noch am Trevi Brunnen , wo selbst am Abend die Menschen anstehen, vorbei.