Von meiner Unterkunft zur Basilica di San Francesco sind es nur fünf Minuten. Zunächst habe ich den Eindruck sie sei noch geschlossen. Dann werde ich aufmerksam gemacht, dass ich vor der Superiore stehe und die Basilica di San Francesco mit dem Sarg vom Heiligen Franz von Assisi unter der Basilica Superiore di San Francesco liegt (nicht unterhalb sondern darunter —> interessante Konstruktion).

Eine etwas andere Tragkonstruktion hat die Basilica di San Francesco
Die Basilica hat ein Hauptschiff, das völlig anders gestaltet ist, als andere Kirchen und Kathedralen die ich bisher besichtigt habe. Das Tragsystem sind kreuzweise angeordnete Rundbögen, die optisch vom Deckengewölbe abgesetzt sind. Der Altarraum ist eine Kuppel, die aufwendig mit Fresken ausstaffiert ist.

Der Altarraum verfügt über aufwendige Fresken
Zum Sarkophag muss man noch eine Etage tiefer gehen. Der Sarg selbst wirkt sehr klein und unscheinbar. Was mir erst bei der Besichtigung klar wird, 2026 ist das 800ste Todesjahr des Heiligen Franz von Assisi.

Der Sarg des Heiligen Franz von Assisi ist ungewöhnlich klein
Nun gut, jetzt muss ich aber mal los, sonst ist der Tag rum und ich bin immer noch in Assisi. Fünfzig Kilometer sind es bis Gubbio, die nächste wichtige Stadt auf dem Pilgerweg. Bis dahin schaffe ich es heute nicht, vor allem wegen der ca. 1.700 Höhenmeter. Da in der Mitte zwischen Assisi und Gubbio es keine Orte gibt, werde ich wohl zelten müssen.

Es geht heute ständig bergauf und bergab durch wunderschöne Landschaften vorbei an einem lang gestreckten Stausee, durch Wälder und wenig landwirtschaftlich genutzte Bergzüge.

Hinter der Bergkette im Hintergrund liegt San Marino
Hier und da komme ich an einer abgelegenen Pieve (Pfarrei), einer Kapelle oder Eremitage vorbei. So ab halb sechs fange ich an, nach geeigneten Plätzen für meine Übernachtung zu schauen. Am Ende fällt meine Wahl nach 33 Kilometern und 1.100 Höhenmetern auf eine Art Vorplatz, vielleicht ist das auch ein Parkplatz der Eremitage San Pietro Vigneto. Dort hat bereits eine Familie aus Frankreich ihr Zelt aufgebaut. Ich frage, ob es sie stört, wenn ich neben ihnen kampiere. Da sie andeuten, dass es in Ordnung ist, baue ich mein Zelt auf.
Zu meiner Überraschung gehen sie bereits um acht Uhr ins Bett. Es wird sich zwar noch unterhalten, aber um halb neun wird es ruhig. Das ist eindeutig zu früh für mich.