Auch heute Morgen ist es wieder empfindlich kalt, bis die Sonne den Nebel vertrieben hat, was fast zwei Stunden dauert. Auf der einen Seite schwitze ich von der Anstrengung auf der anderen Seite ist mir kalt – vor allem meine Hände. Der Körper ist ein faszinierendes Gebilde: alles was für das Pilgern notwendig ist, wird perfekt versorgt. Körperteile, die nicht zur Erreichung des Ziels erforderlich sind, werden in den Erhaltungsmodus versetzt. Das ist zwar extrem zielführend doch auch frustrierend. Daher beschließe ich, Morgen zurückzukehren. Heute komme ich in Florenz an und habe mein Hauptziel erreicht, den kompletten Camino San Francesco di Assisi gepilgert zu sein.
Ein Zimmer habe ich bereits gestern Abend gebucht. Es liegt in unmittelbarer Nähe zum Dom und zum Bahnhof, sodass ich mich später noch etwas durch Florenz treiben lassen kann.

Bis dahin wandere ich noch durch die Hügellandschaft entlang des Arno. Hier haben wir vor 38 Jahren mal Urlaub gemacht. Ich versuche mich daran zu erinnern, wo wir Quartier bezogen hatten. Das muss hier in der Nähe gewesen sein. Ich kann mich aber nicht mehr erinnern, bei nichts klingelt es.

Am frühen Nachmittag komme ich in Florenz an. Mein Ziel ist natürlich der Duomo, in der Hoffnung ihn nicht nur von außen sondern auch innen anschauen zu können. Dazu müsste ich erstmal den Rucksack deponieren und – wie mir bei der Gepäckabgabe der Verantwortliche sagt – etwa eine Dreiviertelstunde warten. Ich ändere meinen Plan und gehe entweder heute Abend in einen Gottesdienst oder Morgen ganz früh vor meiner Abfahrt rein. Das wird leider auch nichts. Der Dom schließt bereits um 15:45 Uhr und öffnet wieder um 09:45 Uhr, Gottesdienst gibt es nur am Wochenende.

Na gut, dann schaue ich mir dieses wirklich sehr imposante Bauwerk eben nur von außen an, das teilweise eingerüstet ist. Am Abend schaue noch einmal vorbei, da ich mir gar nicht vorstellen kann, dass es keinen Gottesdienst um acht Uhr gibt; das war auf meinem Weg in den letzten drei Wochen eigentlich in allen Kathedralen der Fall.

Mein Vorhaben ist nicht von Erfolg gekrönt. Der Dom ist zu. Also suche ich mir ein ganzes Stück abseits eine Osteria zum Abendessen. Auf den Trubel mit Anstehen – das erinnert mich irgendwie an die USA – habe ich ebenfalls keine Lust. Anstehen ist einfach nicht mein Ding.

Als Vorspeise nehme ich eine Variation mit Peccorini und als Hauptgericht eine Pasta mit Wildschwein-Ragout. Das Essen rundet meine Pilgerreise perfekt ab.