Tag 42: 23.06.17

 

Der Weg in die Kapitale Rom ist viel schöner als erwartet. Ich bin davon ausgegangen, dass ich durch unendliche Industrie- und Gewerbegebiete laufen muss. Statt dessen pilgere ich nun durch verwilderte Parklandschaften und später hoch zum Monte Mario durch Wälder und Wiesen, von wo ich einen fantastischen Blick auf die Stadt und den Vatikan habe. Dominant ragt die Kuppel des St. Petersdom aus den Häuserreihen Roms heraus. Der Blick erzeugt eine große Vorfreude auf das Ankommen. Ich mache schon mal ein Selfie; wer weiß, ob das später auf dem St. Petersplatz noch möglich sein wird.

In der Innenstadt angekommen, suche ich zunächst eine Bar auf. Ich muss mich noch einmal stärken, bevor ich die restlichen beiden Kilometer in Angriff nehme. Vielleicht will ich das Ende meiner Pilgerfahrt auch noch ein wenig herauszögern?

Schnurgerade spaziere ich auf der Via Ottaviano von Norden auf den Vatikan zu. Ständig werde ich von „offiziellen“ Führern angesprochen, dass dies der falsche Weg zum St. Petersplatz sei. Sie alle wollen mir am Ende eine Führung verkaufen und versprechen, einen an den Schlangen von Wartenden vorbei direkt in den St. Petersdom zu bringen.

Ich erwehre mich dieser Geschäftemacher, denn bevor ich den Dom besichtige, muss ich erst einmal ins Pilgerzentrum und mir mein Testimonium ausstellen lassen. Aber als erstes möchte das Ende meiner Pilgerfahrt feiern. Ich setze mich auf dem großen Platz auf eine Stufe und lasse mich von der Sonne anstrahlen. Danach gibt es noch ein Selfie.

Jetzt muss ich mich sputen, denn das Deutschsprachige Pilgerzentrum schließt gleich und liegt auf der anderen Seite des Tibers in der Nähe der Engelsburg. Da gerade zwei Soldaten der Schweizergarde vorbei kommen, muss denen warm sein in diesen Uniformen, frage ich, ob es auf dem St. Petersplatz ein internationales Pilgerzentrum gibt. Gibt es tatsächlich und das hat sogar ganztägig geöffnet. Also begebe ich mich in die Opera Romana Pellegrinaggi. Dort erhalte ich meinen letzten Stempel in meinen Pilgerpass und mein Testimonium.

Da ich gesehen habe, dass sich spiralförmig die Besucher des Petersdoms auf dem Petersplatz aufreihen, frage ich, ob es eine Möglichkeit als Pilger gibt, an der Schlange vorbei in die Kathedrale zu kommen. Das ist leider nicht möglich. Der Dom öffnet morgens bereits um 07:00 Uhr und da habe ich den Dom für mich, lautet die Empfehlung. Also gut: morgen muss ich nochmal früh aufstehen. Denn ich stelle mich keine vier Stunden, so lange müsse man wohl mindestens kalkulieren – vielleicht auch eine Stunde länger – erfahre ich von der Empfangsdame des Deutschen Pilgerzentrums, in dem ich dann noch vorbei schaue.

Ich hatte erwartet, dass man dort freudig begrüßt wird. Das ist nicht der Fall; die wollen schließen und ich stehe Ihnen dazu im Weg, obwohl nach meiner Vermutung im Schnitt nicht einmal ein Deutscher Pilger pro Tag ankommt. Also verschwinde ich schleunigst und checke in mein Hotel ein, das keine 100 m vom Zugang zum St. Petersplatz liegt. Ich finde es schade, dass in Rom keine Willkommenskultur für Pilger existiert, nicht einmal ein Gottesdienst. Das war in Santiago de Compostela ganz anders.

Rom erwartet niemand – noch nicht einmal mich!

Ich freue mich trotzdem, dass nun meine Pilgerfahrt nach 42 Tagen und über 1.200 Kilometern zu Ende gegangen ist.

Am Abend spaziere ich vom Vatikan zum Trevi Brunnen und von dort weiter zur Spanischen Treppe, um alles, was so rechts und links des Weges liegt, wie das Parthenon und das Augustus Kolosseum, zu besichtigen. Ich starte erst kurz vor acht,  in der irrigen Annahme es wird leerer. Rom ist sicher eine wunderschöne Stadt, mir nur viel zu überlaufen.

In einer Enoteca trinke ich ein Glas Wein und esse einige Kleinigkeiten Auf dem Rückweg in der Nähe des Justizpalastes. Hier ist es deutlich ruhiger und die Preise sind akzeptabel. Da mein Hotel direkt am Vatikan gelegen ist, gehe ich in der Dämmerung noch einmal auf den Petersplatz. Es sind kaum noch Touristen auf dem Platz, so dass ich ihn in Ruhe aus verschiedensten Perspektiven bestaunen kann. Denn er ist ein Staunen. Mich begeistert, was Menschen in der Lage sind zu erschaffen. Was für eine Schönheit. Das ist überwältigend und ehrt nicht Gott sondern uns Menschen, besonders diejenigen, die ihn geschaffen haben.

Ich kann mich gar nicht satt sehen! Jeder Meter, den ich gepilgert bin, hat sich gelohnt, nur um hier zu stehen und zu staunen: veni, vidi, miravi!

Rom hier bin ich!

 

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