Tag 38: 19.06.17

 

Easy Going: Der Weg von San Lorenzo nach Bolsena mit ständigem Blick auf den See ist ein Genuss.

Im Nord Westen von Bolsena steht mit seiner ganzen Masse die Burg und im Hintergrund ist der satt blaue Lago di Bolsena zu sehen.

Durch enge Gassen, die hier auch geschmückt sind, gelange ich zum Süd Ost Ende der Stadt, wo die Kirche den Ort dominiert. In der dortigen Krypta ist die heilige Christina aufgebahrt, auf die, wenn ich die Hinweistafeln richtig verstehe, ein Blutwunder aus dem vierten Jahrhundert zurück geht.

Die Wegstrecke nach Bolsena war kürzer als erwartet, also buche ich jetzt, ein Hotel am Südende des Sees direkt am Ufer. Es sollten nicht mehr als dreißig Kilometer in Summe werden.

Auch der Abschnitt des Weges von Bolsena nach Montefiascone, wo sich das Hotel befindet, bewältige ich ohne große Anstrengung. Heute läuft es. Da ich Zeit habe, lege ich eine Pause in den Bergen ein. Ein kleines Flüsschen stürzt wild den Berg hinunter. Dort steht im Schatten eine Parkbank. Genau das richtige für ein Mittagsschläfchen.

Nach einer Stunde erholsamen Schlafs, biege ich von der Via Francigena ab und gehe über sehr sandige Wege hinunter zum See. Dort führt zunächst ein Weg später eine Straße am Ufer entlang. Hier kommen die Einheimischen hin, machen Picknick, baden, sonnen sich, angeln und drei Schülerinnen machen ihre Hausaufgaben.

Mein Hotel hat eine fantastische Lage. Ein großer Garten mit einem Schwimmbad grenzt an den See. Es ist alles nur ein bisschen verlottert. Was könnte man aus diesem Anwesen machen?!

Mir gehen heute mal wieder viele Gedanken durch den Kopf. Angestoßen durch die mutige Entscheidung Frankreichs einen neuen, jungen Präsidenten zu wählen und dessen Partei mit meist weitgehend politischen Amateuren ihre Stimme zu geben, glaube ich, wir stehen mal wieder vor großen, und ich bin mir dabei sicher, positiven gesellschaftspolitischen Veränderungen. Die Wahlen in den USA im vergangenen Herbst sind kein Gegenbeweis: in Zeiten des Umbruchs gelingt es immer wieder erzkonservativen und retardierenden Persönlichkeiten die Stimmen der Verängstigten einzusammeln. Das ist am Ende nur ein Aufbäumen und wird die Veränderungen nicht aufhalten können. Ich fühle mich in meinen Gedanken auch durch die Vorgänge in England bestätigt. Ein knappes Ergebnis vor einem Jahr für den Rückschritt und nun das große Debakel für das Rückständige. Mich würde es nicht überraschen, wenn nach zwei Jahren des Verhandelns der Exit vom Brexit das Ergebnis sein wird.

Was wird das Neue sein? Hier gibt es viele Fragestellungen, die wir in der nahen Zukunft völlig anders bewerten werden als zur Zeit. Dazu gehören Themen wie: Auflösung der Nationalstaaten in Europa in der heutigen Form, Transformation des Mittleren Osten, Völkerwanderung und Teilen unseres Wohlstandes, Umweltschutz, Bildungssysteme, Gesundheit und Management und vieles mehr. Also genug Themen über die ich in meinen letzten Tagen auf der Via Francigena nachdenken kann.

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