Tag 32:13.06.17

 

Heute hat mich die Faulheit überfallen. Es geht damit los, dass ich fast eineinhalb Stunden brauche, bis ich mit meinen morgendlichen Aktivitäten fertig bin. Mein Schlafzimmer ist schon jetzt ordentlich von der Sonne aufgewärmt, so dass ich schon vor meinem Aufbruch träge bin.

Es nützt aber nichts, ich muss jetzt los. Um 07:30 Uhr stehe ich in den mittelalterlichen Gassen San Gimignanos. Die nächsten drei Kilometer geht es auf Straßen immer bergab. Von da an wandere ich durch Waldstücke und landwirtschaftlich genutztes Gelände bergauf bergab, aber öfter bergab als hoch. Ich muss langsam machen, da die Wege durch Traktoren völlig zerfurcht sind. Jeder Schritt will mit Bedacht gewählt sein. Nach weiteren 5 Kilometern muss ich mich entscheiden, ob ich den offiziellen und neuen Weg oder den alten Weg gehen möchte.

Der alte Weg eröffnet mir vielleicht mehr Optionen für heute Nacht. Also checke ich das gleich mal mit meinem iPad, da ich bis jetzt noch nichts passendes gefunden habe. Entweder gibt es ein Ostello, auf das ich keine Lust habe, da ich mein Bad nicht mit anderen teilen möchte, oder auf zwei teure Agriturismos. Mit einem Umweg kann ich zwei weitere B&Bs erreichen. Für eins entscheide ich mich.

Da ich schon mal pausiere, Entledige ich mich meiner Schuhe und strecke mich auf dem Waldboden, Po auf die Schuhe, Kopf auf den Rucksack, aus. Kaum liege ich, schlafe ich auch schon. Wovon bin ich nur so müde?

Nach einer guten halben Stunde kommt ein Pärchen vorbei. Beide grüßen mit einem kräftigen „Bon Jour!“ und wecken mich so. Warum können Franzosen nicht wie alle anderen wenigsten in Italienisch grüßen? Ist ja nicht so ganz verschieden.

Na, dann will ich mich mal fertig machen, was einen Moment dauert, da ich doch eine ordentliche Menge Blätter aufgesammelt habe. Nach etwa drei Kilometern biege ich von dem offiziellen Weg ab und erklimme einen Hügel, auf dem ein kleiner Ort thront. Dort gibt es bestimmt eine Bar, in der ich frühstücken kann. Es ist zwar etwas früh für eine zweite Pause aber ich habe Hunger und unter Zeitdruck stehe ich nicht. Ein Apartment ist gebucht und dort kann ich bis 20:00 Uhr einchecken. Also kann ich schön langsam machen.

Ich pilgere von der Bar runter über eine verlassene Abtei, nicht ganz verlassen: Katzen haben hier ein Zuhause gefunden, zurück auf die Via Francigena. Jetzt werden die Wege richtig schön. Es gibt Waldwege, die weder von Autos noch landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen ruiniert sind. Oft laufe ich auf Wirtschaftswegen durch Felder und entlang von Bachläufen. Landschaftlich einfach traumhaft.

Heute scheint nicht mein Tag zu sein: ich bin dauermüde. Kaum komme ich wieder an einer Bar vorbei, muss ich ruhen und verweile schon wieder bestimmt eine Stunde, bevor ich mich aufraffen kann, weiter zu marschieren. Ich nehme mir vor, die letzten ca. zehn Kilometer stramm durchzulaufen und nicht mich von allem möglichen ablenken zu lassen.

Ablenkung gibt es kaum noch dafür aber viele Autos auf unasphaltierten Straßen, die Unmengen an Staub aufwirbeln. Ich werde zu einer wandernden Sandsäule. Als ich mein Zielort erreiche, bin ich etwas erschrocken: das sieht mehr nach einem Industriegebiet aus und weniger nach einem netten Ort mit hübschen Häusern und Gärten, wie die Beschreibung im Internet vermuten lässt. Na gut, kann man nichts machen. Dann werde ich positiv überrascht. Ich habe ein kleines Häuschen auf einem Bauernhof mit einem liebevoll hergerichteten Garten. Das Haus ist toll eingerichtet. Der Wirt bietet an, da es kein Restaurant in Laufdistanz gibt, mich zu fahren. Das ist nicht notwendig, da gegenüber jemand Wurst und Käse verkauft. Ich hole mir dort auch gleich Schinken, Salami, Käse und viel Wasser. Als ich zurück komme, steht eine Flasche Rotwein aus eigener Erzeugung – ohne Etikett versteht sich – auf dem Tisch.

Das lasse ich mir, nach dem ich mich im Liegestuhl ausgeruht habe, kurz vor Sonnenuntergang im Garten schmecken. Jetzt ist es nicht mehr so heiss; da sitzt es sich draußen sehr angenehm.

Heute komme ich auf 27 Kilometer und knacke damit die 900 Kilometermarke. Jetzt sollten es nur noch 300 Kilometer und 10 Tage sein. Auf morgen freue ich mich schon sehr, denn da werde ich Siena erreichen, und ein Apartment in der Innenstadt mit Blick auf den Dom habe ich auch schon gebucht.

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