Tag 26: 01.06.17

 

Ich chille am Pool meines Hotels auf einem Sofa. Im Hintergrund läuft Lounge-Musik und ich trinke ein Glas Weißwein. Das Hotel, das ich mir für heute Nacht ausgesucht habe, heißt bezeichnenderweise Luna – ein wirklich hübsches Hotel mit sehr viel Charme. Ach ja, ihr wisst ja gar nicht wo ich bin: ich habe nach über 30 Kilometern Marina di Massa erreicht. Nach einem kurzen Abstecher in den Ligurischen Teil Italiens bin ich wieder zurück in der Toskana. Marina die Massa ist ein Strandbad mit den Marmorsteinbrüchen von Carrara im Hintergrund.

Heute morgen bin ich früh aufgebrochen und habe das hübsche Bergdorf, in dem ich so gut gegessen und geschlafen habe, verlassen, um aus den Bergen in die Ebene Liguriens und später der Toskana zu gelangen. Erste Station war Sarzana. Ein toller Ort mit gut erhaltener Stadtmauer und -toren im Westen und Osten der Stadt. Die Kathedrale ist innen extrem schlicht gehalten. Es ist ausgesprochen hell in der Kirche. Es gibt nur einige wenige dekorative Elemente, was sie bsonders interessant macht.

Von Sarzana aus pilgere ich am Rande der Marmorberge weiter durch viele Dörfer, bis ich nach Avenza komme. Avenza ist eine Industriestadt, in der überall Betriebe angesiedelt sind, die den Carrara Marmor verarbeiten. Entsprechend staubig ist es überall. Der Ort zieht sich bis ans Tyrrhenische Meer. Später geht er über in Marina di Carrara und dann in Marina di Massa, meinem Tagesziel.

Es ist unterwegs unglaublich heiß. Erst jetzt fällt mir auf, wie angenehm es in den Bergen mit den Schatten spendenden Wäldern war. Die Sonne versucht mich, im eigenen Schweiß zu kochen. Meine Haut an den Füßen wirft entsprechend ordentlich große Blasen, die ich mit antibiotischer Creme behandelen muss.

Da ich in einer „richtigen“ Stadt bin, ergreife Ich die Gelegenheit und gehe zu einem Friseur, der mir die Rezeptionistin im Hotel empfiehlt. Dort geht es zu, wie ich es aus meiner Kindheit kenne: man kommt ohne Termin und wartet bis man an der Reihe ist. Die Wartenden unterhalten sich miteinander und natürlich mit dem Friseur, der selbst eine ansprechende Frisur hat, wie auch seine Frau. Die Kunden, so scheint mir, erhalten alle den selben Schnitt und das geht ruck zuck, da er eine Schneidemaschine benutzt. Keine zehn Minuten und fertig ist der Haarschnitt. Alle haben anschließend kurze und über den gesamten Kopf gleich kurze Haare. Das will ich nicht und zweifle, ob ich mir das antun soll. Ich bleibe, da ich so lange, wuchernde Haare habe, dass ich sie kaum noch im Griff habe. Ich muss mich nach dem Duschen bereits föhnen. Das ja geht gar nicht. Also versuche ich, dem Friseur klar zu machen, mein Schnitt wird vom Standard abweichen und er muss Schere und Effelierschere benutzen. Maximal sind 5mm abzuschneiden. Der Friseur amüsiert sich über mich und scherzt mit den anderen Kunden. Leider kann ich alles verstehen. Als ich ihn abhalte seine Schneidemaschine zu nutzen, um den Nacken zu bearbeiten, bekommt er sich gar nicht mehr ein vor Lachen, holt einen Spiegel, zeigt mir jetzt laufend, was er macht und nimmt doch tatsächlich eine Rasierklinge, um meine Nackenhaare zu entfernen. Aufmerksam wie er ist, befreit er meine Ohren von Haaren und trimmt auch meine Augenbrauen. Der Schnitt ist zwar nicht perfekt aber er ist in Ordnung. Als ich raus bin, bricht Gelächter aus. Die haben offensichtlich ihren Spaß mit mir.

Da ich noch nicht am Strand war, gehe ich vor dem Abendessen zum Strand. Da ist alles zu: keine Bars, keine Restaurants. Auch der Strand ist zu. Im zwänge mich durch eine Lücke im Zaun und bin erschrocken. Mir war bewusst, dass Geschäftemacher Sonnenschirme und Liegestühle verleihen aber was ich hier erblicke, übertrifft mein Vorstellungsvermögen in der Nutzung eines Strandes – also eines Stückes Natur. Liegestuhl an Liegestuhl, kaum Platz um zwischen ihnen hindurch zu kommen. Am Wasser ist ein Streifen von vielleicht ein bis zwei Meter frei. Entweder ist gerade Hochwasser oder es gibt kein Ebbe und Flut im Tyrrhenischen Meer. Eins ist absolut sicher, Urlaub werde ich hier nicht machen. Kein Wunder, dass Mallorca so beliebt ist. Mir stellt sich die Frage, was macht man als Urlauber hier den ganzen Tag. Marina di Massa bietet einfach nichts. Wenn ich darüber nachdenke, will ich gar nicht mehr wissen, was Menschen hier her treibt, um Urlaub zu machen. Das Ergebnis wäre vermutlich zu niederschmetternd.

Damit ist auch geklärt, dass ich morgen Abend nicht in einem Ort am Meer wie zum Beispiel Viareggio bleiben werde. Ich werde mich Richtung Hinterland orientieren.

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