Tag 2: 09.06.19

 

Forchia —> Benevento 

Ich nutze die Morgenstunden, um der Hitze etwas zu entkommen und starte um 08:00 Uhr. Es ist Pfingstsonntag und niemand ist auf der Straße. Allein wandere ich nach Montesarchio.

Unterhalb der mittelalterlichen Stadt, die, wie der Name sagt, auf dem Berg liegt, mache ich gegen 10:00 Uhr Pause und esse in einer Bar ein Panino – mein Frühstück. Da ich heute unbedingt noch bis Benevento will, buche ich vorsichtshalber mal ein Zimmer in einem kleinen Hotel über booking.com mitten in der Stadt, so dass ich diese nach meiner Ankunft besichtigen kann. Benevento war von großer Bedeutung für Rom in der Antike – also ein Muss für mich. Hier wurde der Punische Krieg gewonnen. Wie ich bei Wikipedia nachlese – bedeutet der Name Benevento nicht der gute Wind, so meine Annahme, sondern gutes Ereignis. So haben die Römer nach dem Sieg im Punischen Krieg Beneventum genannt. Vorher hieß die Stadt Maleventum – das wirkt auf mich wie ein Witz. Heute ist Benevento den meisten wohl aus dem Kino bekannt. In Benevento haben sich die Sklaven unter der Führung von Spartakus gegen Rom aufgelehnt. Der Aufstand wurde in Benevento niedergeschlagen und alle überlebenden Sklaven entlang der Via Appia von Benevento bis nach Capua als Abschreckung an Kreuze genagelt.

Zurück nach Montesarchio: nach einer Stunde und zwei Cappuccini, einem Café und 1,5 Liter Wasser bin ich bereit, den Berg zu erklimmen. Um acht war es „nur“ 22 Grad warm, jetzt um elf sind es bereits wieder 32 Grad.

Kurz hinter Montesarchio komme ich an einer Kapelle vorbei. Man feiert Pfingsten. Jemand von den Feierenden spricht mich an, ob ich auf der Via Francigena pilgere, dem Weg den Petrus angeblich nahm, als er aus Griechenland in Santa Maria di Leuca in Italien an Land ging, um nach Rom zu gelangen. Ich bestätige seine Annahme und dass Santa Maria di Leuca mein Ziel ist. Jetzt komme ich hier nicht mehr weg. Mit Händen und Füssen, ein bisschen Englisch und noch weniger Italienisch unterhalten wir uns. Ich muss mit der Gemeinde selbstgemachte Gebäck essen. Ich kann gerade noch verhindern ohne allzu unhöflich zu werden, auch noch mit Ihnen Wein zu trinken – dann wäre mein Wandertag bereits kurz hinter Montesarchio zu Ende gegangen. Zum Schluss schenkt man mir noch eine Tonpfeife, die ich gleich an meinen Rucksack hänge. 

Eine halbe Stunde später und vom heiligen Geist beseelt geht es weiter. Sol – der Sonnengott – scheint von meinem Heiligen Geist Erlebnis nicht besonders begeistert zu sein: er macht meinen Körper mit seiner Strahlkraft zu einem Artesischen Brunnen. Ich kann nicht so schnell trinken, wie die Flüssigkeit aus meinem Körper sprudelt. 

Kurz vor Benevento gehe ich einen Feldweg entlang. Mit einmal raschelt es links und rechts von mir – und schon springen zwei Wildschweinfrischlinge aus dem Gebüsch. Wo zwei Frischlinge sind, sind auch weitere Tiere – das hat mir noch gefehlt, von einer Rotte Wildscheine angegriffen zu werden. Da nach den Geräuschen auf beiden Seiten des Weges die Tiere sich aufhalten, kann ich mich nicht vorsichtig auf einer Seite vorbei schleichen. Ich gestehe: ich habe Angst – wenn mich ein Muttertier angreift, ist mein Weg hier heute zu Ende. Ich warte – stehen bleiben macht auch keinen Sinn: die haben mindestens genauso Angst vor mir wie ich vor ihnen. Also gehe ich ganz langsam weiter: Geraschel, aber keine Tiere, dann kommen drei Frischlinge und wechseln die Seite. Ruhe. Ich gehe weiter. Lautes Geraschel und schon rennen drei Alttiere über den Weg und hauen ab ins Feld. Jetzt gehe ich etwas beruhigter weiter. Vor lauter Angst habe ich nur von weitem von den ersten beiden Frischlingen ein Foto gemacht – schade.

Gut 32 km sind es bis ich in Benevento ankomme und das bei 34 Grad ohne auch nur einen Hauch von Schatten. Ich bin fertig als ich im Hotel ankomme. Der Inhaber ist zu allem Überfluss auch noch ein komischer Kautz, der mich am liebsten in die kleinste Kammer seines Establishments verbannt hätte. Mein Geld will er auch nicht. Zweimal bitte ich ihn bezahlen zu dürfen. Nein er will unbedingt erst bei Abreise bezahlt werden. Ich hoffte ihn mit dem Hinweis umzustimmen, dass ich am nächsten Tag bereits um 07:00 Uhr aufbrechen möchte – denkste, no problemo sette hore. 

Nach dem Duschen geht es in die Stadt: zum Arco di Traiano, in den Dom und zum Schluss in die Chiesa di Santa Sofia. Der Altstadtkern von Benevento ist definitiv grandios. Die Anlage der Straßen mit ihren Fluchten sowie dem Tor nach Osten (Arco di Traiano), dem Duomo als Zentrum und dem Ensemble um die Chiesa Di Santa Sofia sind beeindruckend.

 

Nach der Stadtbesichtigung esse ich noch eine Antipasta (Klöse aus Polpettae in einer Tomatensoße) und danach eine Prima Piatta (Fusilli mit Auberginen in gesalzenem Ricotta) dazu einen Greco di Benevento. 

Im Hotel frage ich gleich noch einmal, ob es nicht besser wäre, jetzt zu bezahlen. Der Wirt verweigert das erneut. 

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