Tag 19: 25.05.17

 

Ich habe bereits gestern Abend ein Zimmer in Fidenzia, was gut 20 Kilometer weg ist, gebucht, da ich unbedingt mal wieder mehr Zeit zum Relaxen brauche: meine Akkus sind arg leer und meine Füße sind echt stinkig mit mir. Die Ferse meines linken Fußes jammert wieder und Rohr mit Streik und die Blase an der Innenseite der Ferse des rechten Fußes hat sich in ihrer Größe verdoppelt. Da ich mich kenne, würde ich das ignorieren und weiter laufen. Am Abend würde ich mich dann über mich ärgern. So kann das schon mal nicht passieren.

Heute morgen wird mir die Entscheidung ohne Caffe und Frühstück zu starten, leicht gemacht, da die Hotelbar erst um 07:30 Uhr öffnet und Frühstück serviert. So bin ich um kurz vor sieben fertig für die nächste Etappe.

Heute ist es etwas kühler und wolkiger. Die Sonne braucht etwa bis 11:00 Uhr, bis sie die Wolken vertrieben hat und ihr Grillprogramm einsetzt. Da bin ich aber schon vier Stunden unterwegs.

Ich komme gut voran, auch weil sich das Landschaftsbild ändert. Ich komme vorbei an Spargelfelder, natürlich mit grünem Spargel und an Wiesen, die gemäht sind und das Heu oft schon zu Rollen gebündelt ist. Schön ist der Getreideacker aus dem der Klatschmohn herausschaut.

Das einzige was den Tag trübt, ist der Gestank: Heute haben sich alle Bauern verabredet, Gülle auszufahren; ein Streichholz hätte genügt, um weite Teile der Po Ebene abzufackeln.

Wie ich heute lerne, hat der erste Pilger dieses Weges, Erzbischof Sigeric von Canterbury, auf seinem Weg das eine oder andere Kloster gegründet. An einem komme ich vorbei: Abazzia di Chiaravalle della Colomba. Mal wieder steht die Größe der Kirche in keinem Verhältnis zur Größe der Abtei und des angrenzenden Ortes. Sie ist innen auffallend geräumig. Der Eindruck wird dadurch verstärkt, dass nur wenige Bankreihen aufgestellt sind und man auf üppige Dekoration verzichtet hat.

Anders als in Spanien liegen entlang der Via Francigena selten Klöster. Heute ist das etwas anders. Sieben Kilometer nach der Abtei Chiaravalle komme ich an der nächsten vorbei: Abbazia di Castione Marchesi, das am Rande des gleichnamigen Dörfchens liegt.

An Seelsorge mangelt es hier nicht, denn in Fidenza, einer Stadt mit nicht mal 30.000 Einwohnern, gibt es einen Dom. Das Städtchen hat einen weitgehend  gut erhaltenen Stadtkern aus dem Mittelalter sowie antike Grundmauern, die teilweise freigelegt sind.

Trotz zwei längerer Bar-Pausen bin schon um 13:00 Uhr an meinem Zielort angekommen und checke in das Hotel „Zwei Schwerter“ ein. Die Dekoration ist rot-gold-grün. Ob der Name des Hotels und die Deko einen historischen Hintergrund haben?

Heute war ich faul und habe es nur auf gut 23 Kilometer gebracht. Bevor die Sonne mich gold-braun toasten konnte, war ich schon in Borgo San Donnino, wie Fidenza bis Kriegsende hieß.

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