Tag 15 – 22.06.19

Torre Santa Sabina —> Brindisi 

Windig ist es heute und einige Wolken sind zu sehen. Das bedeutet aber nicht, dass das Pilgern weniger Schweiß treibend ist. Die Luftfeuchtigkeit scheint höher zu sein. 

Der Weg führt mich die ersten Kilometer durch Dünen und über Strände. Das ist zwar schön aber anstrengend. Meinen Füßen gefällt das ganz und gar nicht. Immer wieder habe ich Berge von Sand in den Schuhen. Das macht nicht nur die Füße schwer sondern reibt auf der eh schon gereizten Haut. Früh mache ich heute Pause, da ich später wieder an der Autobahn entlang wandern muss und dort es keine Bars gibt. 

Da habe ich mich getäuscht. Denn erst komme ich an einem Agriturismo vorbei. Als ich frage, bekomme ich selbst verständlich Café und auch Wasser. Einer der Herren setzt sich zu mir und fragt, warum ich mit Rucksack hier entlang laufe. Als ich ihm erkläre, dass ich nach Santa Maria di Leuca Pilger ist er ganz begeistert. Ich bekomme Kekse aufgefahren und muss mit ihm in seinen Garten, wo er eine Reihe von Obstbäumen stehen hat. Er fordert mich auf zu pflücken, was immer ich gerne hätte. Bescheiden nehme ich mir drei Aprikosen. Das geht für ihn gar nicht und er fängt an zu ernten und stopft mir anschließend das Obst in meinen Rucksack. 

Ich verabschiede mich und bedanke mich für die Gastfreundschaft. Ich werde mit bin einem Buon Camino auf die Reise geschickt. Es dauert keine fünf Kilometer und ich komme zu einer Autobahn Tankstelle mit Bar natürlich. Dort kehre ich erneut ein, trinke einen Café sowie einen Liter Wasser. Ein Einheimischer setzt sich zu mir an den Tisch mit einer Bierflasche in der Hand und redet auf mich ein, obwohl ich ihm gesagt habe, dass ich kein Italienisch kann nur „un poco“. Das stört ihn nicht, führt lediglich dazu, dass er jeden Satz dreimal sagt. Ich glaube zu verstehen, dass er arbeitslos ist und das Leben schwer ist. Er rückt ständig näher an mich heran und will nun auch noch wissen, ob ich Arbeit habe. Mir wird der Bursche zu aufdringlich und ich mache mich lieber davon, obwohl ich gerne noch einen Café getrunken hätte.

Von Brundisium, der Lateinische Name von Brindisi, bin ich enttäuscht. Viel ist nicht mehr von dem historischen Kern übrig. Ein Stadttor, die Kathedrale und die Säule, die das Ende der Via Appia markiert. Und die steht so versteckt zwischen Häusern, dass ich fast vorbeigelaufen wäre. Von hier ist nur die Sicht auf den größten natürlichen Hafen des Mittelmeers gut. Auch wenn man nicht mehr erkennen kann, dass es sich um eine natürliche Hafensituation handelt.

Auch wenn ich heute eine Reihe von Pausen gemacht habe und mehr als ausreichend zu trinken hatte, bin ich erschöpft und freue mich auf meine Unterkunft. Schnell schreibe ich meiner heutigen Vermieterin, dass ich bereits in Brindisi bin und in wenigen Minuten bei ihrem B&B sein kann. Wir verabreden uns in zwanzig Minuten. Wie sooft wirkt das Haus von außen heruntergekommen. Innen ist es toll hergerichtet mit einem großzügigen Eingang und einer sehr schön angelegten Treppe. Das Zimmer geht über zwei Etagen ist spartanisch aber mit einem gewissen Chic eingerichtet. Auf beiden Etagen habe ich einen Balkon und kann vom oberen hinunter zum Hafen schauen.

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