Tag 12: 15.05.17

 

Heute ist es heiß. Die Sonne scheint und es gibt über mir kein Wölkchen. Im Schatten beträgt die Höchsttemperatur 27 Grad Celsius, Schatten sehe ich so gut wie keinen und ich möchte auch nicht über die Temperaturen in der Sonne spekulieren. Ich wiederhole mich, es ist heute heiß, sehr heiß!

Nun gut, was gibt es zu erzählen? Ich laufe vom Golfplatz zu meiner üblichen Uhrzeit zwischen 08:30 und 09:00 Uhr los. Ich durchwandere vor allem Getreidefelder. Wein wird jetzt nicht mehr angebaut. Nach etwa sieben Kilometer erreiche ich Santhia und von jetzt an bin ich in der Po Ebene. Es ist flach, ganz flach: kein Hügel. Muss ich einen Anstieg überwinden, dann handelt es sich um eine Brücke über eine Straße, Bahntrasse oder über einen der vielen Bewässerungskanäle. Diese sind mal größer und mal kleiner. Sie führen entlang jeden Feldes. Angebaut wird hier nur noch Reis. Je nach Wachstum des Reises sind die Felder mal komplett geflutet oder das Wasser läuft zurück in einen Kanal bzw. ist am abtrocknen. Das wird über Schieber in den Kanälen reguliert.

Alle drei Kilometer kommt man zur Abwechslung an einem der gigantischen Bauernhöfe vorbei. Sonst gibt es nichts: keinen Ort, keine Bar, keinen Brunnen –> pure Langweile!
Es ist schwer mich zu motivieren, da nach einer Weile die Landschaft sich immer wieder gleicht. Die Sonne und das fehlende Trinkwasser leisten ebenfalls ihren Beitrag. Das Schlimme: ich weiß, dass sich das die nächsten knapp 300 km kaum ändern wird.

„Meine“ beiden Holländer, die ich heute Abend zufällig in Vercelli wieder treffe, haben schon heute, weil die Eintönigkeit der Landschaft Ihnen ebenfalls aufs Gemüt geschlagen ist, den Zug genommen. Soweit ist es bei mir noch nicht. Ich habe Musik gehört, die mich angetrieben hat. Für Morgen muss ich mir noch etwas überlegen. Ich denke, ich fange wieder wie in Spanien an, mir Themen zu setzen, die ich den Tag über durchdenken werde.

In Vercelli finde ich mitten in der Stadt in einer engen Gasse ein B&B mit Apartments. Der Schlüssel ist in einem Kasten neben der Tür: dann braucht man eigentlich nicht abschließen. In meinem Apartment angekommen, höre ich ein Tropfgeräusch. Gleich schaue ich nach, welcher der Wasserhähne tropft. Denkste, es tropft sowohl im Schlafzimmer als auch im Bad von der Decke. Na prima! Ich rufe die Vermieterin an, die nach zehn Minuten angerauscht kommt und nicht glauben kann, was ich ihr am Telefon gesagt habe. Als sie das Malheur sieht, fängt sie, typisch Italienisch an zu schimpfen, jammern, fluchen und und und.

Im Nachbarhaus hat sie ein weiteres Apartment, das sie mir jetzt gibt. Sie muss zunächst erst einmal weiter ihre Emotionen los werden. Was bedeutet, ich werde sie nicht los. Sie setzt sich erst mal im neuen Apartment, schimpft und flucht weiter. Heult ein bisschen und muss sich erstmal in meinen Armen trösten lassen. Jetzt reicht’s mir und ich schiebe sie mit dem Hinweis, ich bin völlig fertig, stinke und muss jetzt unbedingt duschen, raus. Keine Stunde später ist sie wieder da und ich bekomme einen Zwischenbericht, was passiert ist. Nur verstehe ich kein Wort, nicke eifrig und muss wieder klar machen, dass ich andere Pläne habe, als mich ihrem Wasserschaden anzunehmen.

Ich schaue mir erstmal für die nächsten beiden Stunden Vercelli an, das in der Römerzeit und im Mittelalter große Bedeutung hatte. Entsprechend gibt es sehr viele herrschaftliche Gebäude, tolle Plätze, viele große Kirchen und einen Dom.

Auf dem Rückweg hole ich eine Pizza, die ich genüßlich in meinem Apartment vertilge. Während ich so am Essen bin, klopft es und meine Vermieterin steht schon wieder mit einem nicht enden wollenden Wortschwall an der Tür. Ich versuche zu fragen, was denn los ist und ich werde mit nicht enden wollenden Wortbandwürmern überhäuft. Ich verstehe natürlich immer noch nichts von dem, was sie sagt. Das scheint auch nicht wichtig zu sein. Nach dem die ersten Wortwellen über mich hinweg geschwappt sind, will sie mir die Kaffeemaschine und die Mikrowelle erklären und zeigt mir, was sie für das Frühstück alles in den Kühlschrank gelegt hat. Ich höre nicht mehr zu und überlege, wie ich ohne allzu unhöflich zu wirken, klar machen kann, dass es mir nun einfach reicht und ich meine Pizza fertig essen möchte. Manchmal ist es ganz einfach: ich nehme mir ein Stück Pizza und mampfe wieder los. Das versteht die Gute. Sie entschuldigt sich für die Störung und schwirrt ab.

Heute habe ich es auf gut 35 km gebracht und hatte den bisher höchsten Flüssigkeitsverlust von über 3,2 l. Kein Wunder, dass ich so durstig war, da ich doch nur etwas mehr als einen Liter Wasser bei mir hatte.

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