Tag 10: 17.06.19

Corato —> Bitonto

Meine erste Etappe führt mich nach Terlazzi, das knapp 15 km von Corato entfernt liegt. Am Landschaftsbild ändert sich nichts, Olivenbäume und noch mehr Olivenbäume. Eine Zypressenallee führt zu dem Friedhof von Ruvo di Puglia, das ich „rechts liegen lasse“. 

Immer wieder komme ich an niedrigen Kuppelbauten vorbei. Mal befinden sie sich am Rande eines Gartens und mal in Olivenhainen. Zunächst dachte ich es handelt sich um begehbare Pizzaöfen. Nachdem ich aber mal in einen hinein geschaut habe, kann ich mir das nicht vorstellen. Sie haben meist einen Eingang und keine Fenster. Manche sind nach oben entlüftet, die meisten sind allerdings geschlossen. 

In Terlazzi, das eine sehr schönen Innenstadt hat, nachdem ich durch hässliche Industrie- und Gewerbegebiete gelaufen bin, besichtige ich die Kirche und ruhe mich dort etwas aus. Die Kirche ist innen schön kühl. Anschließend nehme ich in einer Bar direkt auf dem Hauptplatz mein Frühstück ein. 

Nach Bitoni sind es nur noch gut zehn Kilometer. Mir begegnet auf dem Weg niemand. Der Weg führt durch sehr gepflegte Oliven- und Obstplantagen. Leider wird der einsame Weg auch als Müllablage benutzt. Ein fast blinder Spiegel steht auch am Wegesrand, den ein Scherzbold nicht einfach weggeworfen sondern aufgestellt hat. Unter einem Olivenbaum mache ich meine zur Gewohnheit gewordenen Siesta.

Während ich meinen Olivenbaum anschaue, frage ich mich, was hat Petrus eigentlich aus Jerusalem nach Rom getrieben. Ist er auf direktem Weg von Nazareth nach Santa Mari Di Leuca gereist oder hat er den Weg über Vorderasien und Griechenland genommen. Wenn letzteres, warum reiste er dann nicht nach Brindisi, dem damals größten Hafen und dem Tor nach Griechenland. Die Legende sagt, er kam in dem heutigen Santa Maria di Leuca von Bord eines Schiffes und ging von dort über die Via Appia Traiana nach Rom. Ich will das mal glauben und mir damit eine Rechtfertigung meiner Pilgerreise erhalten.

Das klärt aber noch nicht das warum. Hat Petrus tatsächlich geglaubt, wenn er in die größte Machtmetropole der damaligen Welt reist und dem Kaiser bzw. dem Senat von Rom von Jesus erzählt, sind die Römer so Feuer und Flamme für die neue Religion ihre Religion und wechseln zum Christentum? Selbst bei einem sendungsbewussten Mann, der Petrus sicher war, kann ich mir nicht vorstellen, dass er so vermessen war, an einen solchen Erfolg zu glauben. Trotzdem muss der Mann getrieben davon gewesen sein, die Botschaft für ein anderes menschlicheres Lebenskonzept zu verbreiten – muss das ein Charismatiker gewesen sein.

Was ich mich frage, ist so eine solche charismatische Persönlichkeit zu Fuß durch Apulien, Kampanien und durch das Lazio tausend Kilometer gelaufen? Hat er in den Orten, durch die er kam, Vorträge gehalten bzw. Geschichten erzählt und dabei seine Anhängerschaft vergrößert. Was haben die Menschen in diesen Gegenden über so eine Type gedacht?

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